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Jüdische Siedler bei Jericho: Acht Familien lösen heftigen politischen Streit aus

JERICHO, 05.11.2026 (TPS/TM) – Acht jüdische Familien sind am Mittwoch in acht Häuser am Rande der palästinensischen Stadt Jericho eingezogen. Die Siedlerbewegung „Nachala“ hatte die Immobilien nach eigenen Angaben mit Unterstützung des Regionalrats Binjamin verdeckt erworben. Die Gebäude seien über Monate hinweg zum vollen Preis von palästinensischen Eigentümern gekauft worden, Besitzurkunden lägen vor. Die Organisatoren sprachen von einem neuen Kapitel in ihren Bemühungen, eine dauerhafte jüdische Präsenz in Jericho wiederherzustellen. Jericho war 1994 gemeinsam mit dem Gazastreifen als erstes Gebiet der Palästinensischen Autonomiebehörde unterstellt worden.

Die Häuser liegen im Ort Ein al-Dujuk al-Tahta am Stadtrand, nahe der archäologischen Stätte der hasmonäischen Paläste. Nach Angaben des Regionalrats befindet sich das Areal auf staatlichem Land im sogenannten C-Gebiet, das unter vollständiger israelischer Zivil- und Sicherheitskontrolle steht. Die Stadt Jericho selbst gehört zum A-Gebiet unter palästinensischer Verwaltung. Israelischen Staatsbürgern ist das Betreten der Stadt nach israelischem Militärrecht untersagt.

„Wir kehren nach Hause zurück“

„Wir machen die Osloer Verträge durch unser Handeln zunichte – wir kehren nach Hause zurück“, sagte der Vorsitzende des Regionalrats Binjamin, Israel Gantz. Nachala-Vorsitzende Daniella Weiss bezeichnete den Einzug als „wichtigen Schritt zur Erneuerung der jüdischen Besiedlung in jüdischen Städten“. Ziel der Initiative sei es, jüdisches Leben in Städte in der gesamten Region zurückzubringen.

Ein Blick auf die palästinensische Stadt Jericho im Jordantal. Sie hat knapp 25.000 Einwohner. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

Die israelische Armee (IDF) wurde von dem Einzug überrascht. Ein Armeesprecher erklärte, die Aktion sei weder mit dem Militär abgestimmt noch von ihm genehmigt worden. Dennoch verlegte das Militär Soldaten in das Gebiet, um die Familien zu schützen.

Palästinenser sprechen von Terrorismus

Die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA und Anwohner berichteten dagegen, die Siedler hätten Türen aufgebrochen und die Häuser in Abwesenheit der Besitzer besetzt. Beim Einzug sei es zu Zusammenstößen gekommen, bei denen ein Palästinenser und ein ausländischer Aktivist verletzt worden seien. Nachala weist die Darstellung einer Besetzung zurück und betont, die Häuser rechtmäßig gekauft zu haben.

Der Vorsitzende des Palästinensischen Nationalrats, Rauhi Fattuh, verurteilte die „Beschlagnahmung“ der acht Immobilien aufs Schärfste. Er bezeichnete das Vorgehen der Siedlerbewegung als eine Form von Terrorismus, die darauf abziele, die palästinensische Bevölkerung zu vertreiben.

Kritik auch aus Israel

Die israelische Organisation „Peace Now“ und palästinensische Regierungsvertreter forderten die sofortige Räumung des neuen Außenpostens und warnten vor einer weiteren Eskalation der Gewalt. Kritik kam auch von Abgeordneten der israelischen Opposition. Sie nannten die ungenehmigte Aktion rücksichtslos und warnten, sie destabilisiere die Sicherheitslage massiv. Die Siedler hätten die Armee bewusst hintergangen. Das Militär müsse nun in einer ohnehin angespannten Lage zusätzliche Truppen abstellen, um einen illegalen Außenposten zu schützen, statt sich auf strategische Sicherheitsaufgaben zu konzentrieren.

Hintergrund: Jericho

Jericho gilt als eine der ältesten dauerhaft bewohnten Städte der Welt. Die Stadt liegt rund 250 Meter unter dem Meeresspiegel in einer fruchtbaren Oase und an der Verbindung vom Jordan-Übergang nach Jerusalem.

Im 2. Jahrhundert v. Chr. kam die Region unter die Herrschaft der Makkabäer. Jericho entwickelte sich zu einem bedeutenden Zentrum der jüdischen Hasmonäer-Dynastie. Wegen des milden Winterklimas errichteten deren Herrscher dort ausgedehnte Winterpaläste sowie große Plantagen für Datteln und Balsam.

Zur Zeit des Zweiten Tempels (bis 70 n. Chr.) war Jericho ein wichtiger Wohnort der jüdischen Priester (Kohanim). Da die Oase nur eine Tagesreise von Jerusalem entfernt lag, lebten nach rabbinischer Überlieferung zahlreiche Priester und Leviten dauerhaft in Jericho und reisten turnusmäßig zum Tempeldienst nach Jerusalem.

Titelbild: Der israelische Minister für Kulturerbe, Amichai Eliyahu, besucht am Donnerstag die neue Siedlung mit acht Häusern in der Nähe der palästinensischen Stadt Jericho. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

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