
Alle roten Kühe aus Texas disqualifiziert – Tempelinstitut setzt Suche fort
JERUSALEM, 11.08.2025 (BF) – Vor knapp drei Jahren sorgte die Ankunft von fünf makellosen roten Kühen aus Texas für weltweites Aufsehen. Rabbiner und das Jerusalemer Tempelinstitut hatten Jahrzehnte lang nach diesen seltenen Tieren gesucht, deren Asche für die biblische rituelle Reinigung notwendig ist. Fokus Jerusalem berichtete damals über ihre Reise aus den USA und die strengen Vorschriften, die eine rote Kuh erfüllen muss. Nun die Ernüchterung: Das Tempelinstitut erklärte, dass alle aus Texas eingeführten Tiere die Anforderungen nicht mehr erfüllen.
Die Enttäuschung ist groß, doch die Suche geht weiter.
Strenge Vorschriften – kleinste Abweichung reicht aus
Nach biblischem Gebot muss eine rote Kuh vollständig rot sein, ohne Makel und ohne jemals ein Joch getragen zu haben. Schon zwei Haare in einer anderen Farbe machen sie unbrauchbar. Auch Ohrlöcher oder andere körperliche Veränderungen sind tabu. Das Mindestalter beträgt zwei Jahre und einen Monat.
Das Tempelinstitut schildert, wie streng diese Vorschriften sind: „Wir haben seit Jahrzehnten Kandidaten in Israel gezüchtet und auch aus den USA eingeflogen. Trotz aller Sorgfalt zeigte sich am Ende bei allen Tieren mehr als ein nicht-rotes Haar.“ Die Definition von „rot“ umfasst laut biblischem Sprachgebrauch auch Brauntöne, jedoch kein Schwarz.
Die Ankunft der texanischen Färsen im September 2022 war ein Meilenstein. Möglich wurde sie durch eine Zusammenarbeit von Juden und Christen. In Texas hatten Farmer wie Byron Stinson gezielt Rinder gezüchtet, um sie für den Tempeldienst nutzbar zu machen. Dass sie überhaupt nach Israel gebracht werden konnten, war auch besonderen Umständen wie den Corona-Jahren zu verdanken, in denen manche Rinder nicht wie üblich mit Ohrmarken versehen wurden.
Aufwendige Vorbereitung für ein einzigartiges Ritual
Das Ziel ist klar: Aus der Asche einer makellosen roten Kuh wird Reinigungswasser hergestellt, das für den Tempeldienst notwendig ist. Neben dem Tier selbst müssen zahlreiche weitere Voraussetzungen erfüllt sein.
Nur Priester, die nicht mit dem Tod in Berührung gekommen sind, dürfen die Verbrennung vornehmen. Sie müssen zu Hause geboren sein und dürfen niemals ein Krankenhaus oder einen Friedhof betreten haben. Solche Kohanim hat das Tempelinstitut bereits gefunden.
Ebenso sind die Materialien gemäß der Bibel vorgeschrieben: klares Wasser aus der Quelle von Shiloach, Zedernholz, Ysop und Wolle, die mit „tola’at shani“ gefärbt ist. Die Verbrennung muss auf dem Ölberg stattfinden, von wo aus der Priester den Eingang zum Tempel sehen konnte.
Um für den Ernstfall gerüstet zu sein, führte das Tempelinstitut kürzlich eine Probeverbrennung mit einer der disqualifizierten Kühe durch. So soll sichergestellt werden, dass im entscheidenden Moment alles reibungslos funktioniert.
Politische Brisanz und religiöse Ausdauer
Das Projekt hat Gegner – nicht nur unter Israels Feinden, sondern auch im eigenen Volk. Hamas-Sprecher Abu Obeida erklärte in einem TV-Auftritt, die Ankunft der roten Kühe sei ein Grund für den Angriff vom 7. Oktober 2023 gewesen. Er behauptete, Israel wolle die Al-Aksa-Moschee zerstören, um den Tempel zu errichten.
Trotz solcher Anfeindungen betont das Tempelinstitut, dass die Arbeit fortgesetzt wird: „Die Suche nach einer geeigneten roten Kuh ist ein Prüfstein unseres Glaubens. Wir glauben daran, dass sie auftaucht, wenn es Gottes Wille ist.“
Eine einzige makellose rote Kuh würde ausreichen, um den Tempeldienst für lange Zeit wieder aufnehmen zu können. Bis es soweit ist, bleibt die Suche ein zentrales Projekt – mit einem Ziel, das für viele religiöse Juden und manche Christen weit über den landwirtschaftlichen Aufwand hinausgeht.
Titelbild: Auf den roten Kühen auf Texas ruhten große Hoffnungen. Aber bei allen wurde jetzt mehr als ein nicht-rotes Haar entdeckt. Foto: Screenshot Fokus Jerusalem TV