
Hoffnung auf Heimkehr: US-Geiseldeal sieht die Befreiung aller Geiseln in wenigen Tagen vor
JERUSALEM, 30.09.2025 (LS) – Israel steht in gespannter Erwartung: Premierminister Benjamin Netanjahu hat in einer Videobotschaft erklärt, alle Geiseln könnten innerhalb der kommenden Tage freigelassen werden – sowohl die Lebenden als auch die Toten. Die Hamas hat laut US-Präsident Donald Trump am heutigen Sonntag bis 18 Uhr Washington DC Zeit (0:00 heute Nacht deutscher Zeit), ihre endgültige Entscheidung über den US-Plan zur Freilassung der Geiseln bekanntzugeben.
Ein Land zwischen Hoffnung und Angst
Die Nachricht löste vor allem bei den Geiselfamilien eine Welle der Hoffnung aus. Die Familien der Verschleppten, die seit Monaten auf Lebenszeichen warten, sprechen von einer „Zeit zwischen Himmel und Erde“. Viele von ihnen bereiten sich darauf vor, ihre Angehörigen in den kommenden Tagen in Empfang zu nehmen – andere befürchten, dass das Versprechen sich erneut verzögern könnte.
Laut Berichten laufen die Verhandlungen über ein umfassendes Abkommen, das einen Waffenstillstand und die Freilassung sämtlicher Geiseln vorsieht. Die USA und Ägypten sollen maßgeblich beteiligt sein. Netanjahu betonte, die Armee werde trotz der Gespräche weiterhin in Gaza präsent bleiben, um Israels Sicherheit zu gewährleisten.
„Wir lassen niemanden zurück“, erklärte er in seiner Ansprache.
Erste Phase: Freilassungen und Kritikpunkte
Dem veröffentlichten Plan zufolge sieht die erste Phase eine sofortige Freilassung aller noch in Gaza befindlichen Geiseln vor. Israel bereitet sich darauf vor, diese sofortige Rückgabe logistisch umzusetzen. Gleichzeitig soll die israelische Armee (IDF) in den übernommenen Gebieten präsent bleiben, um Sicherheitskontrollen und Stabilisierung zu gewährleisten. Finanzminister Bezalel Smotrich warnte, ein defensives Verhalten könne Israels Verhandlungsposition schwächen, besonders bei langfristigen Zielen wie der Entmilitarisierung Gazas.
Hamas hat teilweise Vorbehalt angemeldet: Sie akzeptiere die Freilassung von 48 Geiseln – darunter etwa 20 lebende – „unter der Voraussetzung, dass die Bedingungen für den Austausch erfüllt werden“. Trumps Plan sieht die Freilassung von 100 bis 200 Terroristen mit lebenslangen Haftstrafen sowie über 1000 Häftlinge aus dem aktuellen Gazakrieg vor.
Zudem soll Israel zugesagt haben, dass weder eine Annexion von Judäa und Samaria erfolgen noch aggressive Angriffe auf Katar erfolgen werden, um Vertrauen zu schaffen.
Trump legt Rückzugslinien fest
US-Präsident Donald Trump gab am Samstagabend bekannt, Israel habe eine erste Rückzugslinie für einen Waffenstillstand im Gazastreifen bestätigt. „Nach Verhandlungen hat Israel der ersten Rückzugslinie zugestimmt, die wir der Hamas vorgelegt und mit ihr geteilt haben“, schrieb Trump auf Truth Social. „Wenn die Hamas zustimmt, tritt der Waffenstillstand SOFORT in Kraft, der Austausch von Geiseln und Gefangenen beginnt, und wir schaffen die Voraussetzungen für die nächste Phase des Rückzugs, die uns dem Ende dieser 3.000 JAHRE DAUERNDEN KATASTROPHE näherbringen wird. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit und BLEIBEN SIE DRAN!“

Im ersten Schritt sollen sich die israelischen Streitkräfte auf die gelbe Linie zurückziehen. Bild: Donald Trump / Social Media
Dem Beitrag war eine Karte beigefügt, auf der die vorgeschlagene Rückzugslinie detailliert dargestellt war. Die Karte zeigt, dass der Philadelphi-Korridor zwischen Ägypten und Gaza unter israelischer Kontrolle bleiben würde, ebenso wie „Hill 70”, ein strategisch wichtiger Hügel mit Blick auf israelisches Gebiet. Am frühen Samstagabend betonte eine hochrangige diplomatische Quelle, Israel werde in Gaza bleiben und es gebe im Moment keinen Waffenstillstand mit der Hamas.
„Wir befinden uns derzeit in der ersten Phase dieses Rahmenabkommens“, so die Quelle. „Die IDF bleibt in Gaza, und ein Rückzug wird nur bis zur gelben Linie und zur Umzingelung von Gaza-Stadt während der Phase der Freilassung der Geiseln erfolgen.“
„Zum jetzigen Zeitpunkt zieht sich niemand zurück – es handelt sich um eine Reduzierung der Feindseligkeiten, nicht um einen Waffenstillstand. In der ersten Phase werden alle Geiseln freigelassen, und danach werden die Verhandlungen fortgesetzt.“
Titelbild: Israelis nehmen am 4. Oktober 2025 an einer Protestkundgebung in Jerusalem für die Freilassung der israelischen Geiseln teil. Foto: Chaim Goldberg/Flash90