
Galatz vor dem Aus? Warum Israels Militärradio mehr ist als nur ein Sender
JERUSALEM, 14.11.2025 (BF) – Israels Militärradio, auf Hebräisch Galei Tzahal oder kurz Galatz, ging 1950 auf Sendung. Es knüpfte an Funkübertragungen der Haganah an und sollte Soldaten informieren, die junge Gesellschaft zusammenführen und Hebräisch in den Alltag tragen. Aus dem Studio in Ramat Gan wurde ein Sender, der Kultur prägte, Journalisten ausbildete und vielen späteren Medienprofis den Einstieg gab. 1993 kam Galgalatz dazu, eine populäre Musik- und Verkehrswelle. Galatz war immer beides, militärisch verankert und journalistisch eigenständig. Diese Doppelrolle machte den Sender zur Brücke zwischen Armee und Zivilgesellschaft, aber auch zur Reibfläche in politisch aufgeheizten Zeiten.
Ein Beschluss, der tief schneidet
Jetzt soll Schluss sein. Verteidigungsminister Israel Katz hat angekündigt, Galatz bis zum 1. März 2026 zu schließen. Begründung: Der zivil geprägte Journalismus schade dem Kriegseinsatz und der Moral, die politische Neutralität der Armee müsse gewahrt bleiben. Er beabsichtigt, den Beschluss der Regierung vorzulegen und ein Team einzusetzen, das Abläufe und Personalfragen regelt. Galgalatz soll weiter bestehen. Die Station reagierte scharf, Senderchef Tal Lev Ram sprach von einem schweren Schlag für die Pressefreiheit und kündigte Widerstand an.
Ein Sender mit alltäglicher Bedeutung
Die Entscheidung trifft eine Institution, die im Alltag präsent ist. Nachrichten, Kultur, Debatten, Verkehrsmeldungen, dazu junge Soldatinnen und Soldaten am Mikrofon, die journalistische Praxis lernen. Kritiker des Schließungsplans warnen vor politischer Einflussnahme auf die Medienlandschaft, Befürworter sehen eine überfällige Korrektur zurück zum ursprünglichen Auftrag.
Juristisch ist nichts entschieden. Die Regierung muss zustimmen, danach sind Klagen wahrscheinlich. Die Journalisten-Gewerkschaft kündigte bereits Gegenwehr an, der israelische Presserat bezeichnete den Schritt als unzulässig und illegal. Ein Verfahren vor dem Obersten Gericht ist realistisch. Politisch kommt hinzu, dass ein Wahlzyklus ansteht und Mehrheiten schwanken.
Eine breitere medienpolitische Agenda
Der Vorstoß steht nicht isoliert. Parallel treibt die Regierung weitere medienpolitische Maßnahmen voran. Eine Gesetzesinitiative soll die Al-Jazeera-Regelung dauerhaft machen, sodass ausländische Sender unter bestimmten Bedingungen ohne gerichtliche Kontrolle geschlossen werden können. Der Sender spielt dabei eine besondere Rolle, da er in vielen Ländern des Nahen Ostens bereits verboten ist und über Jahre hinweg einseitig sowie oft faktisch fehlerhaft über Israel berichtet hat. In Jerusalem sieht man darin nicht nur eine verzerrte Darstellung des Konflikts, sondern einen konkreten Schaden für nationale Sicherheit und internationales Ansehen. Gleichzeitig arbeitet die Regierung an weiteren Reformen, die die Rahmenbedingungen für Rundfunk und Online-Angebote verändern würde. Befürworter sprechen von mehr Wettbewerb, Kritiker von weniger Unabhängigkeit. In Summe entsteht der Eindruck einer machtpolitischen Neuordnung, in der öffentlich finanzierte und redaktionell eigenständige Angebote unter Druck geraten.
Ein Sender zwischen Kritik und Loyalität
Worum geht es am Ende tatsächlich? Es geht um Vertrauen. Galatz hat über Jahrzehnte Nähe zur Truppe und kritische Distanz zur Politik vereint. In Kriegszeiten ist beides heikel, aber genau das hat den Sender relevant gemacht. Eine Schließung würde nicht nur Frequenzen abschalten, sie würde einen öffentlichen Raum kappen, in dem sich Militär, Medien und Gesellschaft täglich begegnen.
Für viele steht nicht die rechtliche Frage im Vordergrund, sondern die demokratische. Eine Schließung wäre mehr als ein administrativer Vorgang. Sie würde zeigen, wie weit eine Regierung bereit ist, in einen sensiblen Bereich wie Medienfreiheit einzugreifen. Ob Israel sich diesen Raum nehmen will, ist nun eine politische Entscheidung. Ob es das rechtlich darf, wird die Justiz klären. Für die Hörer bleibt bis dahin eine einfache Frage: Wer informiert sie künftig glaubwürdig über Krieg, Alltag und alles dazwischen?
Titelbild: Soldatinnen als Journalistinnen im Studio des israelischen Armeeradios „Galatz“ in Jaffa. Archivfoto: Tomer Neuberg / Flash90