
Friedrich Merz in Israel: „Deutschland muss sich für die Existenz und Sicherheit Israels einsetzen“
JERUSALEM 08.12.2025 (LS) – Bundeskanzler Friedrich Merz hat auf seinem ersten offiziellen Besuch in Israel den israelischen Präsidenten Isaac Herzog sowie Premierminister Benjamin Netanjahu getroffen. Außerdem besuchte er die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem. Isaac Herzog hieß den deutschen Bundeskanzler am Samstag im Heiligen Land willkommen.
„Willkommen, Herr Kanzler. Vielen Dank für Ihren Besuch. Dies ist Ihr erster Besuch in Israel als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, einem großen Freund Israels. Wir feiern 60 Jahre Beziehungen zwischen Israel und Deutschland, die eine unglaublich wichtige und bewegende Geschichte und viele Herausforderungen mit sich bringen. Wir sind sehr enge Freunde geworden, und für mich ist es etwas ganz Besonderes, Bewegendes und Wichtiges, zu sehen, wie die Arrow-3-Raketen zur Verteidigung Deutschlands und Europas in Deutschland installiert werden, Produkte aus israelischer Herstellung“, erklärte Herzog bei der Begrüßung.
Kritik am Gazakrieg
Am Sonntag traf der Bundeskanzler Premierminister Benjamin Netanjahu. In dem Gespräch wurden auch Spannungen zwischen den beiden Ländern angesprochen. Bei einer Pressekonferenz erklärte Merz, Berlin werde einerseits Israel immer unterstützen, nicht zuletzt wegen Deutschlands Rolle im Holocaust. Andererseits, so Merz, sei Deutschland der Meinung, Israel hätte bestimmte Aspekte des Krieges im Hinblick auf die Einhaltung des humanitären Völkerrechts anders handhaben sollen, und es müsse einen Weg geben, Jerusalem diesbezüglich eine Botschaft zu übermitteln.
Deutschland hatte Ende August ein Teilwaffenembargo gegen Israel verhängt, dieses Mitte November jedoch wieder aufgehoben.
Netanjahu und Merz sprachen außerdem über die Lieferung des in Israel hergestellten Raketenabwehrsystems Arrow 3 an Deutschland in der vergangenen Woche sowie über die Handelsbeziehungen nach dem Ende des Gazakriegs.
Forderung nach Zwei-Staaten-Lösung
Der Bundeskanzler brachte seine Hoffnung auf eine die Zwei-Staaten-Lösung mit den Palästinensern zum Ausdruck, „für die wir uns schon immer einsetzten“ und nannte die Zwei-Staaten-Lösung ein „wichtiger Faktor für ein gutes Zusammenleben zwischen Israel und den Palästinensern sowie zwischen dem israelischen Volk, dem palästinensischen Volk und der arabischen Welt, damit sie in Frieden und Sicherheit und in Würde leben können.“ Außerdem appellierte er an Netanjahu, das sogenannte Westjordanland nicht zu annektieren.
Netanjahu antwortete auf der gemeinsamen Pressekonferenz am Sonntag, die überwiegende Mehrheit der Israelis sei nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober gegen einen palästinensischen Staat, erklärte jedoch, Israel werde Judäa und Samaria in naher Zukunft nicht annektieren.
Besuch des Holocaustmuseums
Während seines Besuchs der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem bekräftigte Merz Berlins Unterstützung für Israel.
Nachdem er die „dauerhafte historische Verantwortung“ seines Landes für die Massenvernichtung der Juden während des Zweiten Weltkriegs anerkannt hatte, erklärte Merz, Deutschland müsse „für die Existenz und Sicherheit Israels eintreten“.
„Ich betrachte es als große Ehre und eine wirklich große Auszeichnung, hier zu sein und zu bekräftigen, dass die Unterstützung dieses Landes ein unveränderlicher Kerngrundsatz der Politik der Bundesrepublik Deutschland ist und bleiben wird“, so Merz.
Titelbild: Bundeskanzler Friedrich Merz hält am 7. Dezember 2025 in Jerusalem eine gemeinsame Pressekonferenz mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu ab. Foto: Alex Kolomoisky/POOL