
„Zehn Jahre Hölle“: Netanjahu beendet Aussage im Korruptionsprozess
JERUSALEM 25.06.2026 (LS) – Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist am Mittwoch zum letzten Mal in dem gegen ihn laufenden Korruptionsprozess in den Zeugenstand getreten. Seit Dezember 2024 hatte er an 98 Verhandlungstagen ausgesagt.
Aussage nach zehn Jahren Ermittlungen beendet
Netanjahu beendete am Mittwoch seine persönliche Aussage in dem seit Jahren laufenden Prozess. Der Regierungschef musste seine Gerichtstermine über Monate hinweg mit Sicherheitsbesprechungen, Kriegslage, politischen Krisen und Koalitionsproblemen vereinbaren.
Die Staatsanwaltschaft hatte ihr Kreuzverhör bereits in der vergangenen Woche abgeschlossen. Es dauerte 59 Verhandlungstage. Die letzten Termine dienten einer begrenzten erneuten Befragung durch Netanjahus Verteidigung. Dabei ging es vor allem um Punkte, die im Kreuzverhör aufgekommen waren.
Mit dem Ende seiner Aussage ist der Prozess nicht abgeschlossen. Die Verteidigung wird nun weitere Zeugen präsentieren. Danach folgen die Zusammenfassungen und Schlussplädoyers beider Seiten. Erst anschließend wird das Gericht ein Urteil fällen. Ein Zeitplan dafür steht nicht fest.
Drei Verfahren gegen den Regierungschef
Der Prozess gegen Netanjahu umfasst drei Fälle. Die Anklage wurde im Jahr 2020 erhoben. In Fall 1000, der sogenannten Geschenk-Affäre, wird ihm Betrug und Untreue vorgeworfen. Dabei geht es um Zigarren, Champagner und andere Geschenke, die Netanjahu von wohlhabenden Freunden erhalten haben soll. Netanjahu weist den Vorwurf zurück und spricht von Geschenken im Rahmen persönlicher Freundschaften.
Fall 2000 dreht sich um Gespräche zwischen Netanjahu und Arnon „Noni“ Mozes, dem Herausgeber von Yediot Aharonot. Die Staatsanwaltschaft behauptet, Mozes habe Netanjahu freundlichere Berichterstattung angeboten. Im Gegenzug soll es um Schritte gegangen sein, die der konkurrierenden Zeitung Israel Hayom schaden konnten. Netanjahu bestreitet, eine solche Vereinbarung beabsichtigt zu haben.
Fall 4000 ist der schwerste Vorwurf. Dabei geht es um die Behauptung, Netanjahu habe regulatorische Entscheidungen zugunsten des Bezeq-Eigentümers Shaul Elovitch gefördert und im Gegenzug positive Berichterstattung auf Walla gesucht. Der Ministerpräsident bestreitet jedes Fehlverhalten. Netanjahus Anwalt Amit Hadad erklärte, die Verteidigung habe während der Hauptbefragung 315 Medienberichte mit Netanjahu behandelt. Die Anklage habe im Kreuzverhör dagegen nur etwa 14 oder 15 Artikel aufgegriffen. Netanjahu erklärte, Walla sei eine „sehr feindselige Webseite“ gewesen. Die wenigen Beispiele der Anklage belegten seiner Ansicht nach weder positive Berichterstattung noch eine besondere Bereitschaft, seinen Wünschen nachzukommen. Die Anklage habe tausende negative Artikel über ihn ausgelassen.
Zum Abschluss griff Netanjahu die Ermittlungen scharf an. Die Behörden hätten nicht nach einem Verbrechen gesucht, sondern ihn persönlich verfolgt. „Sie wollten Netanjahus Kopf“, betonte er. Nach „zehn Jahren Hölle“ könne nun nur eines wiederhergestellt werden: „die Wahrheit“.
Titelbild: Premierminister Netanjahu bei einem seiner vielen Gerichtstermine. Foto: Miriam Alster/Flash90