
London verschärft den Druck auf Israel – Jerusalem verteidigt jüdischen Wohnungsbau in Judäa und Samaria
JERUSALEM, 09.09.2026 (NH) – Die britische Labour-Regierung unter Premierminister Andy Burnham hat wirtschaftliche Sanktionen gegen israelische Gemeinden in Judäa und Samaria verhängt und damit eine schwere diplomatische Krise ausgelöst. Außenminister Ed Miliband kündigte im Unterhaus ein Handelsverbot für Güter aus diesen Regionen an und drohte Unternehmen aus dem Bau- und Finanzsektor mit britischen Strafmaßnahmen. Hinzu kommen persönliche Sanktionen gegen israelische Staatsbürger und weitere Einschränkungen bei Rüstungsexporten.
Das europäische Sanktionsbündnis und E1
In Israel stießen die Maßnahmen auf scharfe Verurteilung. Präsident Isaac Herzog bezeichnete den britischen Vorstoß als schwere Fehlkalkulation und unzulässige Einmischung in die demokratischen Angelegenheiten eines souveränen Staates. Auch der ehemalige Premierminister Yair Lapid kritisierte die Entscheidung als innenpolitisch motiviert. Sie solle enttäuschte Wähler in Großbritannien besänftigen, stärke jedoch Extremisten und gebe der Terrororganisation Hamas Auftrieb.
London gewann zudem zwölf westliche Staaten für eine gemeinsame Erklärung, darunter Frankreich, Polen, Kanada und Spanien. Sie kündigten Handelsbeschränkungen an oder wollen entsprechende Maßnahmen prüfen. In Israel wird das Vorgehen als koordinierter wirtschaftlicher Feldzug gegen jüdische Gemeinden bewertet.
Die israelische Führung weist die europäischen Vorwürfe als voreingenommen und sachlich falsch zurück. Besonders umstritten ist das Gebiet E1 östlich von Jerusalem. Außenminister Gideon Sa’ar erklärte, dort seien keine neuen Entwicklungsentscheidungen getroffen worden. Die Behauptung einer geplanten territorialen Zerschneidung entbehre daher jeder Grundlage.
Israels entschlossene Antwort
Auch israelische Gemeindevertreter reagierten scharf. Israel Ganz, Vorsitzender des Binyamin-Regionalrats, und Yossi Dagan, Vorsitzender des Schomron-Regionalrats, erinnerten London daran, dass das britische Mandat vor fast 80 Jahren endete. Die Zeiten, in denen Großbritannien Juden das Wohnen in ihrer historischen Heimat untersagen konnte, seien vorbei.
Jerusalem ließ die europäischen Schritte nicht unbeantwortet. Außenminister Sa’ar kündigte die Schließung des britischen Konsulats in Ost-Jerusalem an und betonte, das vereinte Jerusalem sei die souveräne Hauptstadt Israels. Ausländische Aktivitäten dort könnten nur mit ausdrücklicher Zustimmung Israels stattfinden. Israel wies zudem britische Vertreter aus dem zivil-militärischen Koordinationszentrum in Kiryat Gat aus, beendete die britische Ausbildung von Sicherheitskräften der Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah und verhängte Einreisesperren gegen zwölf britische Abgeordnete und Aktivisten, darunter den früheren Labour-Chef Jeremy Corbyn.
Unterstützung aus Washington und neue Allianzen
Unterstützung erhielt Israel aus den USA. Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, warnte vor möglichen wirtschaftlichen Konsequenzen für britische Unternehmen in US-Bundesstaaten wie Florida, sollten sie sich an Boykotten gegen Israel beteiligen. Gleichzeitig baut Jerusalem seine Beziehungen zu anderen europäischen Staaten aus. Während der Krise mit London reist Außenminister Sa’ar nach Slowenien, um in Ljubljana die erste ständige israelische Botschaft des Landes zu eröffnen. Unter der neuen konservativen und israelfreundlichen Regierung von Janez Janša soll damit die bilaterale Zusammenarbeit vertieft werden.
Israel signalisiert damit, dass es trotz des wachsenden Drucks aus Teilen Europas seine diplomatische Handlungsfähigkeit bewahren und neue Partnerschaften aufbauen will.
Titelbild: Neue Wohnhäuser in der jüdischen Siedlung Nokdim in Judäa und Samaria. Foto: Sraya Diamant/Flash90