
Sechs israelische Städte verbieten lebende Hühner beim Kapparot-Ritual vor Jom Kippur – Tierschützer fordern mehr
JERUSALEM 15.09.2026 (LS) – Mit den Hohen Feiertagen rückt ein alter Streit zwischen Tradition und Tierschutz wieder ins Rampenlicht. Sechs israelische Kommunen haben in diesem Jahr das traditionelle Kapparot-Ritual mit lebenden Hühnern verboten. Tierschützer feiern den Fortschritt und fordern Dutzende weitere Städte auf, sich anzuschließen.
Kapparot: Ein uraltes Ritual im modernen Israel
Kapparot ist ein traditionelles jüdisches Ritual in den Tagen vor Jom Kippur, dem Versöhnungstag. Dabei wird ein lebendiges Huhn dreimal über dem Kopf der Person geschwungen, während ein Gebet gesprochen wird. Symbolisch sollen die Sünden des Menschen auf das Tier übertragen werden. Anschließend wird das Huhn geschlachtet und das Fleisch an Bedürftige gespendet. Eine weit verbreitete Alternative ist die Verwendung von Geld statt Hühnern. Das Geld wird anschließend ebenfalls an Bedürftige gespendet. Die große Mehrheit religiöser Juden praktiziert diese Alternative bereits und viele Rabbiner befürworten ausdrücklich die Benutzung von Geld für die Kapparot vor Jom Kippur.
Die Tierschutzorganisation „Lass die Tiere leben“ hatte sich in diesem Jahr erneut an Dutzende Bürgermeister und Gemeinderäte gewandt und sie aufgefordert, das Ritual mit lebenden Tieren zu verbieten. In diesem Jahr schlossen sich Tel Mond, Yeruham, Mevaseret Zion und Yavne der Initiative an – Kiryat Bialik und Rischon LeZion erneuerten ihre Zusagen aus dem Vorjahr.
Wachsende Liste – aber noch viel Luft nach oben
Damit wächst die Liste der Städte, die das Ritual mit lebenden Tieren verbieten. Kfar Saba, Ra’anana, Tel Aviv-Jaffa, Beerscheba, Aschkelon, Ramle und Petah Tikva haben es bereits seit mehreren Jahren untersagt. Laut der Organisation können Hühner bereits während des Transports erheblichen Stress erleiden – eingepfercht in engen Käfigen, teils ohne Wasser und Nahrung.
Die Veterinärvorschriften erlauben es lokalen Behörden ausdrücklich, Zeremonien mit lebenden Hühnern in ihrem Zuständigkeitsbereich zu untersagen. Tierschützer argumentieren, gerade an Jom Kippur, dem Tag der Besinnung und Vergebung, stehe das Leid von Tieren im Widerspruch zum Geist des Feiertages. Bereits 2019 hatte das israelische Umweltministerium die Bevölkerung aufgefordert, auf lebende Tiere zu verzichten und stattdessen Geld zu spenden.
Titelbild: Kapparot in Meah Shearim, Jerusalem. Foto: Chaim Goldberg/Flash90