
UNRWA soll Fortschritte bei internen Reformen übertrieben haben
JERUSALEM, 16.09.2026 (DR) – Das UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) hat seine Fortschritte bei internen Reformen nach Einschätzung von UN Watch deutlich übertrieben. UNRWA führt 41 von 50 Empfehlungen als abgeschlossen. Die Genfer Nichtregierungsorganisation hält dagegen höchstens 13 für vollständig wie vorgesehen umgesetzt.
UNRWA wurde 1949 mit einem befristeten Mandat gegründet und betreute zunächst rund 750.000 Flüchtlinge. Die UN-Generalversammlung verlängerte das Mandat seither regelmäßig. Heute sind einschließlich anspruchsberechtigter Nachkommen rund 5,9 Millionen Menschen für UNRWA-Leistungen registriert.
Richtlinien statt nachweisbarer Umsetzung
UN-Generalsekretär António Guterres hatte die Colonna-Prüfung Anfang 2024 in Auftrag gegeben. Anlass waren israelische Anschuldigungen, UNRWA-Mitarbeiter seien am Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 beteiligt gewesen. Die unabhängige Prüfgruppe unter Leitung der früheren französischen Außenministerin Catherine Colonna untersuchte jedoch nicht die einzelnen Beschuldigten, sondern die Neutralitätsregeln und Kontrollmechanismen der UNRWA.
UN Watch verglich dafür die Fortschrittsberichte bis Juni 2026 mit den Empfehlungen der Prüfgruppe. Nach Darstellung von UN Watch wertete UNRWA mehrfach Richtlinien, Pilotprojekte oder noch nicht finanzierte Pläne als abgeschlossene Reformen. „Eine Richtlinie herauszugeben ist nicht dasselbe, wie sie durchzusetzen“, erklärte Geschäftsführer Hillel Neuer.
Als Beispiel nennt der Bericht den Bildungsbereich. Das Hilfswerk verweist dort unter anderem auf Lehrerfortbildungen und neue Verfahren zur Prüfung von Schulbüchern. Eine Untersuchung des Forschungsinstituts IMPACT-se habe jedoch auch im Lehrplan der Palästinensischen Autonomiebehörde für 2025/26 antisemitische Inhalte, Terrorverherrlichung und Aufrufe zum gewaltsamen Kampf festgestellt. Dieser Lehrplan wird an UNRWA-Schulen nach wie vor verwendet.
Bericht sieht strukturelle Probleme
Weitere Kritik betrifft die Mitarbeiterkontrolle. UNRWA gleiche Namen vor allem mit der Sanktionsliste des UN-Sicherheitsrats ab. Hamas und der Palästinensische Islamische Dschihad stehen als Organisationen jedoch nicht darauf.
Nach Einschätzung von UN Watch reichen administrative Änderungen nicht aus. Die generationenübergreifende Registrierung schreibe den Flüchtlingsstatus dauerhaft fort. Zudem beschäftige das Hilfswerk fast ausschließlich örtlich angeworbene Palästinenser. Dadurch sei es eng mit dem politischen Umfeld verbunden, in dem es arbeitet. Laut Bericht beschäftigt UNRWA mehr als 28.000 örtliche, aber nur etwa 120 internationale Mitarbeiter. Diese Struktur verhindere nach Ansicht von UN Watch eine tatsächliche politische Neutralität.
Geberstaaten sollen Nachweise verlangen
UNRWA erhielt 2025 nach eigenen Angaben Beiträge von 829 Millionen US-Dollar (rund 718 Millionen Euro). Der Großteil stammt aus freiwilligen Zahlungen von UN-Mitgliedstaaten. Zahlreiche Staaten hatten ihre Zahlungen 2024 nach den Vorwürfen gegen Mitarbeiter vorübergehend ausgesetzt, später aber wieder aufgenommen.
UN Watch fordert die Geberstaaten nun auf, sich nicht allein auf die Fortschrittsberichte der UNRWA zu verlassen. Vor einer Wiederaufnahme oder Fortsetzung ihrer Zahlungen sollten sie unabhängig überprüfbare Belege für die Umsetzung der Reformen verlangen. UNRWA hat sich bislang nicht zu dem Bericht geäußert.
Titelbild: Das UNRWA-Hauptquartier in Gaza-Stadt im April 2013, Archivbild. Bild: Wissam Nassar/Flash90