
Iranische Social-Media-Konten geben sich vor den israelischen Wahlen als Israelis aus
JERUSALEM 28.09.2026 (LS) – Eine Untersuchung der Open-Source-Plattform Golden Owl hat ein mutmaßlich iranisch verbundenes Netzwerk von Social-Media-Konten aufgedeckt, die sich als israelische Bürger ausgeben. Ziel der Kampagne soll es sein, die öffentliche Meinung vor der kommenden Knesset-Wahl zu beeinflussen und bestehende politische Spannungen in Israel zu verstärken.
Die Forscher analysierten mehr als 21.000 Beiträge und identifizierten 1.516 Auffälligkeiten. Untersucht wurden unter anderem die Herkunft der Konten, wiederkehrende Formulierungen, ungewöhnliches Nutzerverhalten und die Verbreitung politischer Inhalte. Insgesamt kartierte Golden Owl fast 120.000 Accounts und knapp 295.000 Verbindungen zwischen ihnen.
Politische Spaltung als Angriffspunkt
Die mutmaßlichen Einflusskonten verbreiteten unter anderem Behauptungen, die für den 27. Oktober angesetzte Wahl werde verschoben. Diese Nachricht wurde innerhalb weniger Minuten von mehreren Konten weiterverbreitet. Die Untersuchung stellte außerdem fest, dass bestimmte Beiträge und Formulierungen nahezu wortgleich in verschiedenen Teilen des Netzwerks auftauchten.
Besonders auffällig war das Konto „Yaara Shalev“, das sich als israelische Jüdin darstellt und sich angeblich für Demokratie und Frieden einsetzt. Nach Angaben von Golden Owl wurden jedoch Bilder verwendet, die teilweise anderen Personen zugeordnet oder als künstlich erzeugt identifiziert wurden. Das Konto soll als zentrale Quelle für Inhalte innerhalb des Netzwerks gedient haben.
Konten wechseln Ausrichtung und Sprache
Ein Account namens „Miriam Kozak“ mit fast 19.000 Followern hatte bereits bei früheren Wahlen politische Botschaften verbreitet und wechselte dabei seine Ausrichtung. Im Fall von @mardeankabooti tauchten weitere Beweise auf. Der Nutzername ist das persische Wort für „Spider-Man“. Der Account wurde 2019 erstellt und veröffentlichte bis April 2026 ausschließlich Beiträge auf Persisch, in denen er sich mit anderen iranischen Nutzern über den Obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei und die iranische Politik stritt.
Am 26. August 2026 tauchte das Konto unter dem Namen „Alon Strauss“ wieder auf, mit einer israelischen Flagge als Profilbild. Es veröffentlichte hebräische Hashtags für die Demokraten und Yair Golan und bezeichnete Netanjahu als „das widerlichste Tier der Natur“. „Dies ist das Konto eines iranischen Nutzers, das neun Wochen vor der Wahl als israelische Stimme umgestaltet wurde“, schlussfolgerte Golden Owl.
Iranische Herkunft schwer vollständig nachzuweisen
Die Untersuchung stützt ihre Einschätzung einer Verbindung zum Iran unter anderem auf technische Hinweise. Mehrere Accounts, die sich als Israelis darstellen, wurden nach Angaben von Golden Owl über eine als „Iran Android App“ bezeichnete Version des X-Zugangs genutzt. Gleichzeitig wurden einige dieser Konten geografisch Deutschland, Finnland oder anderen Ländern zugeordnet. Golden Owl geht davon aus, dass VPNs oder andere technische Mittel verwendet worden sein könnten, um den tatsächlichen Standort der Nutzer zu verschleiern.
Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass die Kampagne nicht unbedingt auf einzelne große Accounts angewiesen ist. Stattdessen sollen viele kleinere Profile dieselben Botschaften wiederholen und dadurch reale Nutzer erreichen. Bestimmte Inhalte wurden im untersuchten Zeitraum rund eine Million Mal angezeigt. Dies zeigt die ausländische Einflussnahme im Vorfeld der israelischen Parlamentswahl: Nicht nur falsche Informationen, sondern auch künstlich erzeugte Identitäten sollen den Eindruck vermitteln, bestimmte politische Positionen würden von zahlreichen Israelis selbst vertreten.
Titelbild: An einem Gebäude in Tel Aviv ist im Rahmen des Wahlkampfs der Likud-Partei im Vorfeld der bevorstehenden Parlamentswahlen ein Plakat des israelischen Ministerpräsidenten und Likud-Parteivorsitzenden Benjamin Netanjahu mit der Aufschrift „Wir werden nicht kapitulieren“ angebracht. Foto: Avshalom Sassoni/Flash90