
Großbritannien droht Israel mit drastisch verschärften Sanktionen – Israels Banken im Fadenkreuz
JERUSALEM 01.10.2026 (LS) – Großbritanniens neuer Außenminister Ed Miliband hat beim Labour-Parteitag eine fundamentale Wende in der britischen Israelpolitik angekündigt: Sanktionen nicht nur gegen Güter aus Judäa und Samaria, sondern auch gegen Dienstleistungen – und damit potenziell gegen israelische Banken, Baufirmen und Finanzinstitute. Eine Eskalation, die Israels Wirtschaft tief treffen könnte.
Vom Solidaritätspartner zum Konfliktkurs
Nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 stellte sich die britische Regierung unter Premierminister Rishi Sunak klar auf Israels Seite. Der auf Sunak folgende Premierminister Keir Starmer hatte die Labour-Partei von ihren antisemitischen Elementen aus der Corbyn-Ära gereinigt und ein neues Kapitel in den Beziehungen zur jüdischen Gemeinschaft versprochen. Doch der öffentliche Druck durch wöchentliche Massenproteste, der Zusammenbruch der Labour-Regierung bei den Lokalwahlen im Mai 2026 – wo zahlreiche Mandate an pro-palästinensische Kandidaten verloren gingen – und der darauffolgende Rücktritt Starmers haben die Parteilinie grundlegend verändert. Unter dem neuen Premierminister Andy Burnham und Außenminister Ed Miliband ist Großbritannien nun auf Kollisionskurs mit Israel.
Auf dem Parteitag erklärte Miliband: „Wir prangern die ethnische Säuberung durch Siedler-Terroristen im sogenannten Westjordanland an. Wir prangern die Belege für Kriegsverbrechen in Gaza an. Wir werden den Import von Gütern aus illegalen Siedlungen verbieten. Wir werden die Versorgungsketten britischer Finanzen, britischer Baufirmen und britischer Dienstleistungen für illegale Siedlungen unterbrechen.“
Banken, Hypotheken, Infrastruktur
Was Großbritannien nun androht, geht weit über das hinaus, was die Niederlande oder Irland bisher gewagt haben. Miliband sprach von Sanktionen gegen „Unternehmen und Einzelpersonen, die Dienstleistungen wie Bau, Infrastruktur, Finanzierung und Immobilien für den Ausbau der Siedlungen erbringen“. In der Praxis könnte das bedeuten: Jede israelische Bank, die eine Hypothek für den Kauf einer Wohnung jenseits der Grünen Linie vergibt, könnte sanktioniert werden – ebenso jedes Unternehmen, das dort baut, plant oder Dienstleistungen erbringt.
Bisher hat Israel es geschafft, die europäische Ablehnung der Siedlungen von der wirtschaftlichen Realität zu trennen. Das geschah durch Sonderfonds, die Landwirtschafts- und Forschungseinrichtungen für den Verlust europäischer Gelder entschädigten. Wenn aber Finanz- und Infrastrukturdienstleistungen betroffen sind, ist diese Trennung nicht mehr aufrechtzuerhalten. Miliband schätzte, dass die Umsetzung der Sanktionen sechs bis neun Monate in Anspruch nehmen werde.
Zusätzlich hat Großbritannien sein Waffenembargo gegen Israel massiv ausgeweitet. Zu den bereits früher eingefrorenen 30 Exportlizenzen wurden weitere 50 Rüstungssysteme verboten.
Die britische Zeitung Jewish Chronicle berichtet, britische Diplomaten und der Auslandsgeheimdienst MI6 hätten die Regierung vor den Sanktionen gewarnt – aus Sorge um die bilateralen Beziehungen und Geheimdienstkooperation. Ihre Einwände wurden offenbar ignoriert.
Titelbild: Flaggen des Vereinigten Königreichs und Israels an die Mauern der Altstadt von Jerusalem projiziert. Foto: Yonatan Sindel/Flash90