
Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Psychiatrische Notaufnahmen bei Kindern mehr als verdoppelt
JERUSALEM 05.10.2026 (LS) – Besuche von Kindern und Teenagern in psychiatrischen Notaufnahmen sind um 121 Prozent gestiegen. Das zeigen neue Daten der israelischen Krankenkasse Clalit, veröffentlicht am dritten Jahrestag des Hamas-Massakers. Die Zahlen zeichnen das Bild einer Generation, die unter dem Gewicht eines dreijährigen Krieges körperlich und seelisch zusammenbricht.
Die Zahlen, die erschüttern
Der Bericht untersuchte den Gesundheitszustand von rund fünf Millionen Clalit-Mitgliedern von Oktober 2023 bis September 2026 und verglich die Ergebnisse mit den zwei Jahren vor dem Krieg. Während psychiatrische Notaufnahmebesuche bei Erwachsenen relativ stabil blieben, stiegen die Besuche bei Kindern und Jugendlichen im zweiten Kriegsjahr um 78,3 Prozent und erreichten im dritten Jahr einen Anstieg von 121,3 Prozent.
Überweisungen von Kinderärzten zu psychiatrischen Diensten stiegen um 52,1 Prozent, und neue Angstdiagnosen bei Kindern nahmen um etwa 40 bis 70 Prozent zu. Besonders alarmierend: Unter Kindern, die aus Südisrael evakuiert wurden, stiegen die Verordnungen von Minirin – einem Medikament gegen Bettnässen – um 47,8 Prozent im dritten Jahr.
Unter nördlichen Evakuierten stiegen neue Diagnosen hohen Cholesterins um rund 60 Prozent. Stress macht sich also nicht nur psychisch, sondern auch körperlich bemerkbar – selbst bei Kindern.
Gesundheitssystem am Limit
„Wir haben nicht genug Psychiater und ausgebildete Psychologen, und da es zehn bis zwölf Jahre dauert, Menschen auszubilden, mussten wir improvisieren“, erklärte ein leitender Clalit-Psychiater. „Neben PTBS könnte es doppelt oder dreimal so viele Menschen geben, die psychische Unterstützung benötigen.“
Neue PTBS-Diagnosen unter südlichen Evakuierten bleiben sechsmal so hoch wie vor dem Krieg. Der Dauerzustand des Krieges – vor allem Raketenangriffe im Zusammenhang mit dem Irankrieg und dem Libanon-Konflikt – verhindert, dass der Organismus je zur Ruhe kommt. Das gilt für Erwachsene, aber noch mehr für Kinder, deren Entwicklungsjahre vollständig vom Krieg geprägt sind.
Die Zahlen des Clalit-Berichts sind mehr als Statistik. Sie sind das stille Protokoll einer Generation, die aufwächst, ohne je wirklich in Sicherheit gelebt zu haben.
Titelbild: Zerstörung und Einschusslöcher in einem Haus im Kibbuz Be’eri nach dem Hamasangriff vom 7. Oktober. Die Folgen des Massakers belasten die körperliche und psychische Gesundheit der Menschen bis heute. Foto: Moshe Shai/Flash90