zurück zu Aktuelles

Drei Jahre Krieg: Israel rückt zusammen und verändert seinen Blick auf die Welt

JERUSALEM, 07.10.2026 (NH) – Drei Jahre nach den Terroranschlägen vom 7. Oktober 2023 hat sich Israels Gesellschaft spürbar verändert. Der Krieg hat das nationale Identitätsgefühl gestärkt, das Vertrauen in Europa geschwächt und das Sicherheitsbewusstsein verschärft. Zugleich ist die Bevölkerung enger zusammengerückt und sieht die eigene Souveränität zunehmend als wichtigen Schutz für den jüdischen Staat.

Israel sieht sich stärker als Teil des Nahen Ostens

Nach dem Barometer 2026 des Europäischen Forums der Hebräischen Universität Jerusalem sagen 48 Prozent der jüdischen Israelis, ihr israelisches Identitätsgefühl sei seit dem 7. Oktober stärker geworden. Nur zehn Prozent nehmen eine Abschwächung wahr. Auch das kulturelle Selbstverständnis hat sich verschoben. 42 Prozent der Israelis beschreiben ihr Land heute als vor allem nahöstlich geprägt, während nur 18 Prozent eine europäische Prägung sehen. Bei den arabischen Bürgern Israels stieg der Anteil mit einem nahöstlichen Selbstverständnis auf 50 Prozent.

Parallel dazu wächst die Ernüchterung gegenüber Europa. Nur noch 27 Prozent der Israelis betrachten die EU als Erfolgsmodell, 2022 waren es noch 57 Prozent. 69 Prozent erwarten zudem eine weitere Verschlechterung der Lage für die Juden in Europa. Deutschland bleibt mit 43 Prozent Zustimmung Israels engster Freund in Europa, gefolgt von Ungarn mit 37 Prozent. Frankreich und Spanien werden dagegen mit jeweils 54 Prozent als besonders stark von Antisemitismus geprägt wahrgenommen.

Antisemitismus verändert den Alltag

Die zunehmende Feindseligkeit gegenüber Israel und Juden wirkt sich auch auf das Verhalten vieler Israelis aus. Laut dem „Barometer der israelischen Gesellschaft“ des Center for Jewish Impact befürchten 52 Prozent, sich auf Auslandsreisen offen als Israelis zu erkennen zu geben. 41 Prozent haben ihr Reiseverhalten bereits verändert, etwa Reiseziele gewechselt oder Aufenthalte abgesagt. Gleichzeitig bleibt das Vertrauen in Israel als sicherer Ort für Juden sehr hoch. 71 Prozent sind überzeugt, dass Israel für Juden ein sichererer Lebensort ist als Europa. Die Entwicklung zeigt, wie stark die Erfahrungen seit dem 7. Oktober den Blick auf die eigene Sicherheit und auf die Welt außerhalb Israels geprägt haben.

Schärferes Sicherheitsbewusstsein und innere Stärke

Auch die Haltung zu möglichen politischen Lösungen hat sich verändert. Laut einer Langzeitstudie der Bitchonistim-Bewegung sehen inzwischen 52 Prozent der jüdischen Israelis die Errichtung eines palästinensischen Staates als existenzielle Gefahr für Israel. Im September 2023 waren es 31 Prozent. Gleichzeitig sank die Bereitschaft, Verhandlungen mit einer palästinensischen Führung zu suchen, von 52 auf 31 Prozent. Auch die Bedeutung von Judea und Samaria wird stärker betont. 59 Prozent sagen heute, die Region gehöre dem jüdischen Volk, gegenüber 48 Prozent vor dem Krieg. 54 Prozent sind überzeugt, dass dauerhafter Frieden keine Gebietsabtretungen erfordert.

Trotz der tiefen Wunden der vergangenen drei Jahre zeigt sich die israelische Gesellschaft widerstandsfähig. 73 Prozent glauben an die Möglichkeit eines stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalts – ein Höchststand. Der Krieg hat damit nicht nur das Sicherheitsbewusstsein geschärft, sondern auch den Stellenwert von Eigenständigkeit, nationaler Stärke und dem Schutz des jüdischen Staates gestärkt.

Titelbild: Der Dizengoff-Platz in Tel Aviv mit Fotos von Opfern des Massakers vom 7. Oktober und des Krieges vor einer israelischen Flagge. Drei Jahre nach dem 7. Oktober wächst Israels Identitätsgefühl, während das Vertrauen in Europa sinkt und das Sicherheitsbewusstsein zunimmt. Foto: Miriam Alster/Flash90

Weitere News aus dem Heiligen Land