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„Ich wähle das Leben“: Ehemalige Geiseln blicken nach Gaza-Gefangenschaft nach vorn

JERUSALEM 07.10.2026 (LS) – Ehemalige Geiseln erinnern sich drei Jahre nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober an ihre Zeit im Gazastreifen und an die schwierige Rückkehr in den Alltag. Für viele hat sich der Blick auf scheinbar gewöhnliche Dinge grundlegend verändert. Freiheit, Familie und selbst ein Glas kaltes Wasser erhalten für sie eine neue Bedeutung.

Zu den Überlebenden gehört Emily Damari, die nach mehr als einem Jahr Geiselhaft freikam. Sie erzählt, sie nehme heute nichts mehr als selbstverständlich hin. Selbst beim Öffnen des Kühlschranks oder beim Trinken von Wasser empfinde sie Dankbarkeit. Die Gefangenschaft habe ihre Sicht auf das Leben grundlegend verändert.

Das Leben nach der Gefangenschaft

Auch Eli Sharabi, der 491 Tage in Hamas-Gefangenschaft verbrachte, versucht bewusst nach vorne zu blicken. Seine Frau Lianne und seine beiden Töchter wurden beim Angriff auf den Kibbuz Beeri ermordet, sein Bruder Yossi starb in Geisellhaft. Nach seiner Freilassung gründete Sharabi ein Zentrum zur Unterstützung von Familien, die mit den Folgen von Trauma und Verlust leben.

Eli Sharabi vor seiner Entführung mit seiner Familie. Seine Töchter Noiya und Yahel sowie Frau Lianne wurden am 7. Oktober 2023 von Hamasterroristen ermordet. Foto: privat

Andere ehemalige Geiseln berichten ebenfalls davon, wie alltägliche Dinge nach der Gefangenschaft eine neue Bedeutung bekommen haben. Essen, Schlafen, Zeit mit der Familie oder einfach selbst entscheiden zu können, wohin man geht, werden zu Symbolen der zurückgewonnenen Freiheit.

Für viele ist die Rückkehr dennoch schwierig. Die Zeit in Gaza lässt sich nicht einfach hinter sich lassen. Erinnerungen, Ängste und der Verlust von Angehörigen begleiten die Überlebenden auch nach ihrer Freilassung. Besonders für Kinder und Familien ist die Verarbeitung der Erlebnisse ein langfristiger Prozess.

Romi Gonen veröffentlicht Aufnahmen ihrer Entführung

Auch Romi Gonen, die vom Nova-Musikfestival entführt wurde, versucht, ihre Erfahrungen in ihr neues Leben einzuordnen. Sie wurde nach 471 Tagen Gefangenschaft freigelassen. Nun veröffentlichte sie erstmals Ausschnitte aus Aufnahmen, die während ihrer Entführung nach Gaza entstanden waren.

Romi Gonen während ihrer Entführung. Foto: Screenshot Hamasvideo

In ihrem Podcast „Romi Gonen’s New Life“ beschreibt sie, wie es für sie war, sich selbst auf den Bildern zu sehen. Besonders der Moment, in dem sie auf dem Pick-Up-Laster der Terroristen die Augen öffnet, habe für sie eine besondere Bedeutung. Die Aufnahmen machten für sie aus einer Erinnerung etwas unmittelbar Reales.

Gonen berichtet, die Bilder seien bis heute Teil ihrer Träume. Gleichzeitig sieht sie darin auch einen Beweis dafür, dass sie diese Zeit überlebt hat.

Romi Gonen vor dem 7. Oktober (links) und während ihrer Geiselhaft (rechts). Fotos: privat/Screenshot Hamas-Geiselvideo

Die Geschichten der ehemaligen Geiseln unterscheiden sich, doch ein Gedanke verbindet viele von ihnen: Das Leben nach der Gefangenschaft soll nicht ausschließlich von den Erlebnissen in Gaza bestimmt werden. Sharabi fasst diese Haltung mit wenigen Worten zusammen: „Ich wähle das Leben.“

Titelbild: Die ehemalige Geisel Emily Damari entzündet die Fackel zur Feier des 77. Jahrestags des Unabhängigkeitstags, am 28. April 2025 auf dem Herzlberg in Jerusalem. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

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