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Israelische Studie entdeckt Wendepunkt in den Wechseljahren

JERUSALEM, 03.11.2026 (TPS/DR) – Was haben Cholesterin, Knochenschwund und die letzte Monatsblutung miteinander zu tun? Israelische Forscher haben einen überraschenden Zusammenhang aufgedeckt: Rund um die Menopause verändern sich zahlreiche Körperfunktionen nicht nur allmählich, sondern teilweise sprunghaft. Die Entdeckung könnte Ärzten ermöglichen, bestimmten Gesundheitsrisiken künftig bereits Jahre vor der Menopause gezielt vorzubeugen.

Veränderungen im ganzen Körper

Für die im Oktober in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlichte Studie wertete das Team um Professor Uri Alon mehr als 300 Millionen Laborergebnisse aus Israel und den USA aus. Allein die israelischen Daten der Krankenkasse Clalit umfassten rund 1,3 Millionen Frauen.

Bei 52 von 90 untersuchten Arten von Laborwerten entdeckten die Wissenschaftler auffällige Veränderungen um die letzte Menstruation. Betroffen waren unter anderem Werte zur Knochengesundheit, zur Leber- und Nierenfunktion sowie zum Cholesterinspiegel. Bei Männern vergleichbaren Alters zeigte sich kein entsprechender sprunghafter Verlauf.

Die Wechseljahre bezeichnen die mehrjährige hormonelle Umstellungsphase vor und nach der letzten Monatsblutung. Die sogenannte Menopause markiert dagegen den Zeitpunkt der letzten Regelblutung. Sie tritt meist zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr ein und lässt sich erst rückblickend feststellen, wenn es zwölf Monate lang keine weitere Monatsblutung gab.

Ein Verfahren aus der Astronomie

Um den biologischen Wendepunkt zu erkennen, mussten die Forscher ein Problem lösen: Frauen kommen nicht alle im gleichen Alter in die Menopause. Manche haben ihre letzte Monatsblutung bereits mit 45 Jahren, andere erst mit 55. Vergleicht man beispielsweise die Laborwerte aller 50-jährigen Frauen, befinden sich einige noch vor der Menopause, andere bereits danach. Dadurch verschwimmen die Veränderungen in den Durchschnittswerten. Hinzu kommt, dass in großen medizinischen Datenbanken meist nicht vermerkt ist, wann eine Frau ihre letzte Monatsblutung hatte.

Die Wissenschaftler entwickelten deshalb ein mathematisches Verfahren, das diese zeitlichen Unterschiede statistisch ausgleicht. Das Prinzip ähnelt Methoden, mit denen Astronomen unscharfe Teleskopaufnahmen korrigieren. So konnten die Forscher Veränderungen sichtbar machen, die bei einem gewöhnlichen Vergleich der Laborwerte gleichaltriger Frauen verborgen bleiben. Die Ergebnisse beschreiben Muster in großen Bevölkerungsgruppen und erlauben daher keine genaue Vorhersage für einzelne Frauen.

Das Verfahren könnte künftig helfen, auch andere biologische Übergänge zu untersuchen, etwa die Pubertät, eine Schwangerschaft oder den Beginn von Erkrankungen.

Mehr Zeit für die Gesundheitsvorsorge

Die Entdeckung könnte die Gesundheitsvorsorge von Frauen verändern. Viele der festgestellten biologischen Veränderungen hängen mit erhöhten Krankheitsrisiken zusammen. Besonders relevant sind Knochenschwund und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Forscher sehen deshalb die Möglichkeit, schon Jahre vor der Menopause durch gesunde Ernährung, Bewegung und gezielte medizinische Vorsorge dem gegenzusteuern.

„Unsere Studie erweitert das Zeitfenster für mögliche vorbeugende Maßnahmen auf fast ein Jahrzehnt vor der Menopause“, erklärte Studienleiter Uri Alon in einer Mitteilung des Weizmann-Instituts.

Der Haupteingang des Weizmann-Instituts in Rechovot. Forscher der Einrichtung haben neue Erkenntnisse über die biologischen Veränderungen während der Menopause gewonnen. Foto: Shmulik Harel / Wikimedia Commons / CC0

Auch Hormontherapien könnten eine Rolle spielen. Beim Vergleich behandelter und unbehandelter Frauen zeigten 39 von 80 untersuchten Laborwerttypen deutliche Unterschiede. Bei Frauen mit Hormontherapie waren zahlreiche Veränderungen abgeschwächt. Ob die Behandlung tatsächlich Erkrankungen verhindert, beweist die Beobachtungsstudie jedoch nicht.

In einem späteren Interview mit der Jerusalem Post erläuterte Professor Alon, dass sein Team eine klinische Studie plane. Darin soll untersucht werden, ob eine Hormontherapie bereits vor der letzten Menstruation die Knochen- und Gehirngesundheit schützen kann. Zugleich warnte er davor, die Ergebnisse als Anlass zur Beunruhigung zu verstehen. Die Veränderungen bedeuteten keinen unmittelbaren gesundheitlichen Zusammenbruch, sondern ein langfristig erhöhtes Risiko.

Ob eine vorbeugende Hormontherapie sinnvoll ist, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Schon jetzt verdeutlicht die Studie jedoch, weshalb die Gesundheitsvorsorge nicht erst mit dem Ende der Monatsblutungen beginnen sollte.

Titelbild: Mütter mit ihren Neugeborenen in der Geburtsstation des Hadassah-Ein-Kerem-Krankenhauses in Jerusalem während eines Raketenangriffs der Huthi am 27. März 2025. Foto: TPS-IL

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