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Erlöserkirche in Jerusalem stellt umstrittenen Pfarrer ein

von Ulrich W. Sahm
JERUSALEM, 30.06.19 – Die lutherische Erlöserkirche in der Altstadt Jerusalems, gleich neben der Grabeskirche, ist mit ihrem hohen spitzen Turm nicht nur ein Wahrzeichen von Israels Hauptstadt. Viele Jahre lang war sie auch ein Zentrum der Ökumene und internationaler Kontakte. Doch diese Begegnungen sind seit vielen Jahren eingebrochen, da man von protestantisch-deutscher Seite eine politische Agenda vertritt, in der andere Konfessionen keinen Platz finden. Mit Rainer Stuhlmann als Interimsprobst wird diese problematische Tradition fortgesetzt.

Im September 2019 wird der jetzige Probst, Wolfgang Schmidt, Jerusalem verlassen, da seine Heimatkirche im badischen Karlsruhe ihn in das Amt des Oberkirchenrats für „Bildung und Erziehung in Schule und Gemeinde“ berufen hat. Bis zum Sommer 2020 wird die evangelische Kirche zur „Vakanz-Überbrückung“ den rheinischen Pfarrer Rainer Stuhlmann schicken. Stuhlmann war viele Jahre Studienleiter im Norden Israels. Dort machte er sich einen Namen mit einer einseitigen Agenda, welche den verschiedenen Facetten des Nahostkonflikts nicht gerecht wird. Für Stuhlmann sind die Fronten klar: Hier die Besatzer, die jüdischen Israelis – dort die Besetzten, die palästinensischen Araber. Er differenziert dabei nicht zwischen Palästinensern in Jericho und Gaza und arabischen Bürgern Israels. Für ihn scheint die Vielschichtigkeit des Konflikts von geringem Interesse zu sein.

Stuhlmann stellt Existenzrecht Israels in Frage

Im vergangenen Mai geriet er in die Schlagzeilen mit einem Text in der Gottesdienst-Arbeitshilfe „70 Jahre Staat Israel“. Darin behauptete Stuhlmann, dass es in der evangelischen Kirche einen „Märtyrerkalender“ gebe, in den das Dorf Biram aufgenommen werden sollte. 1948 hatte Israel während des Krieges die Bewohner dieses grenznahen Dorfes bei Libanon vertrieben und nur die Kirche stehen lassen. Stuhlmann behauptete auch, dass es schon „palästinensische Christen“ gab, als Jesus von Nazareth gerade mal im Alter von 18 noch nicht mit seinen öffentlichen Auftritten begonnen hatte.

In einer Pressemitteilung schrieb Dr. Oded Horowitz vom Landesverband der jüdischen Gemeinden Nordrhein, der Beitrag hätte ihn „bestürzt und traurig zurückgelassen. Die darin geäußerte Verunglimpfung des Staates Israel als brutale Besatzungsmacht und die Unterschlagung historischer Fakten sind für uns nicht hinnehmbar. Zur 70. Jubiläumsfeier der Gründung des Staates Israel auf die Lebenslage der palästinensischen Bevölkerung als direktes Resultat der Staatgründung Israels zu verweisen, stellt das Existenzrecht Israels in Frage und hinterlässt einen faden Beigeschmack antizionistischer Stereotype.“

Deutsche Medien kritisieren Stuhlmanns einseitige Haltung

Auch in den deutschen Medien wurde diese Affaire um Stuhlmanns „Gottesdiensthilfe“ aufgegriffen. Die Frankfurter Rundschau titelte: „Eklat um Theologen-Papier im ‚Stil der Fatah und Hamas’“. In der Zeit erschien ein Artikel unter dem Titel „Antisemitismus – Luthers Erben“. Darin wird zitiert: „Wir fanden in der Arbeitshilfe historische Falschdarstellungen, einen aggressiven Ton gegenüber Israel und Worte, die uns eher an palästinensische Propaganda erinnerten als an den Text einer deutschen Landeskirche“, so Horowitz. Der Text bewegt sich seiner Meinung nach an der Grenze zum Antisemitismus, manche im Landesverband sähen die Grenze bereits überschritten.

Foto: Die deutsch-evangelische Erlöserkirche in Jerusalem im Jahr 2017. Quelle: Sebi Berens/Flash90

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