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Israel plant Exit-Strategie aus Coronakrise

JERUSALEM, 17.04.2020 (DK) – Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat am Freitag einen Plan zu ersten Lockerungen der Corona-Beschränkungen genehmigt. Nächste Woche soll die Exit-Strategie aus der Wirtschaftskrise dem gesamten Kabinett vorgelegt werden. In der Regierung sind die harten Maßnahmen immer wieder zum Konfliktpunkt zwischen dem Gesundheits- und dem Finanzministerium geworden. Letzteres fürchtet eine schwere Rezession, da inzwischen über 25 Prozent aller Israelis ihre Beschäftigung verloren haben. Das Gesundheitsministerium weist andererseits darauf hin, dass ein Ausstieg aus der Quarantäne zu einem Rückfall führen könnte. Netanjahu zeigt sich jedoch zuversichtlich. Der vorgelegte Plan sei „verantwortungsbewusst, vorsichtig und schrittweise“ und damit gut für beide Parteien. 

Lockerungen gelten nicht für ältere und vorerkrankte Menschen

Die verschiedenen Stufen des Plans sollen jeweils mit mehreren Wochen Abstand voneinander eingeführt werden. Zunächst sollen der Hightech- und Finanzsektor, sowie Fabriken wieder Betrieb aufnehmen, um die Wirtschaftskraft zu stärken. In der zweiten und dritten Phase wird der reguläre Schul- und Universitätsbetrieb aufgenommen, sowie Einkaufszentren eröffnet. Zuletzt werden Hotels, Kinos und Theater der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Berichten zufolge sollen strenge Auflagen für die eröffneten Geschäfte gelten. Dazu gehören regelmäßige Desinfektionen, die Messung der Temperatur von Kunden und Einhaltung von Distanz. Für Menschen, die einer bestimmten Altersgruppe angehören oder die eine medizinische Vorgeschichte aufweisen, gelten die Lockerungen nicht.

Zahl der schweren Fälle seit einer Woche nicht signifikant gestiegen

Ein solcher Plan kann nur durchgesetzt werden, sollte die Rate der Neuansteckungen sich deutlich verlangsamen. Das Gesundheitsministerium will den Lockerungen nämlich erst zustimmen, wenn täglich nicht mehr als 50 neue Infektionen vorliegen. Der Erreger Sars-CoV-2 wurde bislang bei 12,758 Personen in Israel nachgewiesen. 143 Menschen verloren infolge der Coronavirus-Infektion ihr Leben. Die Zahl der schweren Fälle ist Regierungsangaben zufolge jedoch seit mindestens einer Woche nicht signifikant gestiegen.

Neben der Eröffnung von Geschäften, sollen Menschen sich in naher Zukunft auch in einem 500 statt 100 Meter Radius um ihre Wohnungen bewegen dürfen. Es gilt jedoch weiterhin Mundschutzpflicht für alle die ihr Haus verlassen. Ob Synagogen, Kirchen und Moscheen weiterhin geschlossen bleiben, ist noch nicht klar. Religiöse Mitglieder der Knesset drängen darauf, Gottesdienste im Freien, mit mehreren Metern Abstand zwischen den Betern, zu erlauben. 

Bild: Der leere Ben-Yehuda Markt in Jerusalem, welcher aufgrund der Coronakrise geschlossen bleibt. Quelle: Shira Hershkop/TPS

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