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Israels Gesundheitsministerium drängt auf neuen Lockdown

JERUSALEM, 01.07.2020 (DK) – Israels Image als Musterschüler im Umgang mit dem Coronavirus hat in den vergangenen Wochen stark Schaden genommen. Inzwischen verzeichnet das Land die zweithöchste Anzahl an Neuinfektionen innerhalb eines Tages. Insgesamt 803 Fälle wurden dem Gesundheitsministerium am Dienstagabend gemeldet. In den deutschen Medien ist nun die Rede davon, aus Israels Fehlern lernen zu wollen. Dabei wird oftmals auf eine zu schnelle Öffnung des Lockdowns hingewiesen. Bislang schien das Corona-Kabinett auf neue Strategien im Kampf gegen COVID-19 zu setzen. Doch nun drängt das Gesundheitsministerium auf die altbewährte Methode: Ein Lockdown in vielen Städten Israels soll die Bürger vor der Infektionswelle schützen.

Neue Schutzmaßnahmen sind Gratwanderung für Israel

Am Montag hat die Knesset einer Reihe neuer Regelungen für die kommenden Wochen zugestimmt. Gottesdienste, Beschneidungszeremonien und Beerdigungen dürfen zukünftig maximal 50 Besucher zählen. Hochzeiten im Freien und Kulturveranstaltungen sind von den Einschränkungen ausgenommen. Bis zu 250 Menschen dürfen sich zu diesen Anlässen versammeln. Die Regierung versucht derzeit eine Gratwanderung zwischen Infektionsrisiko und wirtschaftlichen Einbußen. Da von Hochzeiten und kulturellen Institutionen viel ökonomisch wichtige Industrien abhängig sind, scheuen sich die Minister vor Schutzmaßnahmen. 

Der zweitmächtigste Mann im Staat, Benny Gantz, betonte in den vergangenen Tagen, dass der Kampf gegen die Pandemie absolute Priorität genießen muss. „Gemeinsam werden wir das Coronavirus besiegen und seine wirtschaftlichen und medizinischen Auswirkungen bewältigen“, erklärte er bei einer Parteiversammlung des Mittebündnisses Blau-Weiß. „Was nicht mit Coronavirus verbunden ist, wartet.“ Damit kritisierte der Ex-General unter anderem auch die Entscheidung des Premierministers die Annexion des Jordantals auf den 1. Juli anzusetzen. 

Palästinenser wollen ebenfalls zu drastischen Maßnahmen greifen

Israel hat seit Ausbruch des Virus bislang 320 Todesfälle gemeldet. Dank der hervorragenden Versorgung in den Krankenhäusern, konnten auch viele schwer erkrankte Patienten wieder genesen. Anders sieht die Situation dagegen im sogenannten Westjordanland aus. Obwohl die Palästinensische Autonomiebehörde derzeit nur etwa 255 Ansteckungen pro Tag verzeichnet, macht sich das Gesundheitsministerium bereits über harte Einschränkungen Gedanken. Ein heftiger Anstieg träfe auf eine unvorbereitete Infrastruktur.

Bild: Coronavirus-Isolierstation im Krankenhaus Ramat Gan. Quelle: Yossi Zeliger/Flash90

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