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Brennpunkt Tempelberg: Proteste gegen jüdische Beter an der Stätte

JERUSALEM, 19.07.2021 (DK) – Der Tempelberg in Jerusalem ist wieder einmal zum Schauplatz des Nahostkonflikts geworden. Am frühen Morgen des jüdischen Fastentages Tischa BeAv griffen Jugendliche Palästinenser die israelischen Sicherheitskräfte mit Steinen an. Der Feiertag gedenkt der Zerstörung beider Tempel in den Jahren 586 v. Chr. und 70 n. Chr. Im Laufe des Tages besuchten nahezu 1700 Juden die Stätte. Obwohl ihnen das Betreten gestattet ist, dürfen die Pilger laut einer Abmachung mit den muslimischen Behörden während ihres Besuches nicht beten. Immer mehr Israelis betrachten dies jedoch als eine Einschränkung ihrer Religionsfreiheit. Demnach taten sich einige Besucher in kleinen Gruppen zusammen, um ihre Gebete zu verrichten. Während die palästinensische Öffentlichkeit und die jordanische Verwaltung dies als Affront betrachtet, geht die Polizei derzeit nicht gegen Vorfälle dieser Art vor. 

Gerüchte über israelische Beschlagnahme des Tempelbergs befeuern Gewalt

Wieder einmal gehen die Bilder gewaltsamer Auseinandersetzungen auf dem Vorplatz der Al-Aksa Moschee um die Welt. In den arabischen Medien ist von radikalen Siedlern die Rede, die im Begriff wären, die Stätte zu stürmen. Die Terrororganisation Hamas rief arabische Israelis schon am Vortag dazu auf, den Felsendom zu verteidigen. Die jüngsten Ereignisse treffen einen wunden Punkt in der palästinensischen Gesellschaft: Bereits seit Jahren kursieren Gerüchte, angestachelt von Medien und Politik, dass Israel einen Teil des Tempelbergs beschlagnahmen wolle. Sowohl die Hamas als auch die gegenerische Fatah wollen sich zum alleinigen Verteidiger der Al-Aksa Moschee aufschwingen. Dies galt auch als einer der Hauptauslöser des jüngsten Konflikts zwischen Israel und Gaza. 

In großen Teilen der arabischen Welt wird jede geschichtliche Bindung des jüdischen Volkes zu Jerusalem und dem Tempelberg geleugnet. Mit einer Resolution hat die UNESCO diesen unhistorischen Standpunkt sogar noch befeuert. Die Palästinensische Autonomiebehörde pocht bei jedem neuen Konflikt darauf, dass israelische Juden im Umkreis des Jerusalemer Tempelbergs nichts zu suchen hätten. Israel habe kein religiöses, historisches oder gesetzliches Recht auf Jerusalem und des Geländes der Al-Aqsa-Moschee oder des Tempelbergs, erklärte Mahmoud Habbash, ein Berater des Präsidenten Mahmoud Abbas am Sonntag öffentlich. 

Auseinandersetzung sorgt für Kluft in der Koalition 

Israels Premierminister Naftali Bennett blieb angesichts der Nachrichten über die Krawalle ruhig. Er bedankte sich bei den anwesenden Polizisten für die Gewährleistung der Sicherheit von jüdischen Besuchern auf dem Tempelberg. Er erklärte jedoch gleichzeitig bestimmt, dass „auch für Muslime, die diese Woche die Festtage Arafa und Eid al-Adha begehen, die volle Religionsfreiheit auf dem Tempelberg gewährt werden muss.“ Trotz dieses Nachsatzes sind die Streitigkeiten innerhalb der Koalition vorprogrammiert. Die neue Regierung setzt sich sowohl aus Parteien des rechten politischen Spektrums, als auch aus linken Fraktionen und der islamischen Partei Ra’am zusammen. Letztere machte ihre Position in einer öffentlichen Erklärung klar: „Muslime haben ein exklusives Recht auf die al-Aqsa-Moschee und niemand sonst hat ein Recht darauf.“

Bild: Ein israelischer Polzist stößt mit einem Palästinenser vor dem Eingang der Al-Aksa Moschee zusammen. Quelle: Hadas Parush/Flash90

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