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Gefangenschaft, Rehabilitierung und Neuanfang – 10 Jahre seit der Freilassung Gilad Shalits

JERUSALEM, 06.10.2021 (NH) – Diesen Monat ist es genau zehn Jahre her, dass Gilad Shalit aus der Hamas-Gefangenschaft im Gazastreifen frei kam. Shalit, der jüngst geheiratet hat, spricht sehr selten über die Zeit als Geisel der Terrororganisation. Bei einem kürzlichen Treffen mit Holocaustüberleben enthüllte er, was ihm in mehr als fünf Jahren Gefangenschaft Hoffnung gab: „Es war der Staat Israel, der mir Hoffnung schenkte. Ich wusste erst eine Woche vorher, dass ich freigelassen werde“.

Hamas-Terroristen entführen Panzersoldaten

„Zwei Soldaten sind tot, ein weiterer Soldat ist allem Anschein entführt worden und befindet sich auf palästinensischem Boden. Wir wissen nicht, in welchem Zustand er sich befindet.“ – Die israelischen Nachrichten am 25. Juni 2006 ließen ein Land in Schockstarre verfallen. Hamas-Terroristen drangen über einen Tunnel in Israel ein und überfielen einen Armeeposten. 30 Stunden vor der Terrorattacke hatte der inländische Geheimdienst Information über ein geplantes Attentat in der Nähe des Grenzüberganges Kerem Shalom erhalten. Die genauen Details erfuhr Israel von zwei gefangen genommenen Hamas-Mitgliedern. Aber es war zu spät. Ein Soldat befand sich bereits auf feindlichem Boden: Gilad Shalit.

1027 Terroristen für einen Soldaten

Wenige Tage nach der Entführung begann die Bodenoffensive „Sommerregen“, um den Aufenthaltsort von Shalit ausfindig zu machen. Doch alle Bemühungen der Armee und der Regierung scheiterten. Erst ein Jahr später, zum Jahrestag seiner Gefangennahme, veröffentlichte die Hamas eine Audiobotschaft ihrer Geisel. Ein Video von Shalit folgte auf Vermittlung deutscher und ägyptischer Diplomaten am 30. September 2009. Es sollte sich als entscheidender Schlüssel zur Freigabe Hunderter palästinensischer Terroristen entpuppen.

Zwei Jahre nach der Videobotschaft am 18. Oktober 2011 wurde Shalit bei einem umstrittenen Gefangenaustausch frei gelassen. Der Preis, den Israel für den Soldaten zahlte, war hoch. 1027 Sicherheitsgefangene, die für den Tod von mehr als 200 Israelis verantwortlich waren, wurden in zwei Schritten für das Leben von Gilad freigelassen. Bis heute gibt es laute Stimmen, die sich gegen den „Shalit-Deal“ aussprechen.

Gilad Shalit am Tag seiner Hochzeit. Foto: Mit freundlicher Erlaubnis von Matan Katzman

Gilad spricht zum ersten Mal über das Erlebte

Nach 10 Jahren beantwortet Gilad zum ersten Mal Fragen, die sich ein ganzes Volk im letzten Jahrzehnt stellte. Er trifft sich mit Holocaustüberlebenden und spricht offen über das Erlebte. Gilad erzählt seinen Zuhörern, dass er tagsüber geschlafen und nachts wach gewesen sei. So war der Tagesablauf der Hamas. Seine Entführer hatten versucht, darauf zu achten, den jungen Mann bei guter Gesundheit zu erhalten. Ein lebender Soldat ist wertvoller als ein toter. Gilad ernährte sich überwiegend von Hummus und Fladenbroten. Er berichtet, dass er mit einigen seiner älteren Entführer auf Hebräisch kommunizierte. Sie hätten in den Jahren zuvor in Israel gearbeitet.

Shalit beantwortete geduldig alle Fragen und erzählte den Anwesenden, dass er als Kind gerne alleine war. Er hatte weder viele Freunde noch eine große Familie. Er nimmt an, dass er aus diesem Grund die langen einsamen Tage in der Gefangenschaft seelisch verkraften konnte. Im israelischen Radio habe Gilad die Verhandlungen zu seiner Freigabe verfolgt, doch wären die jahrelangen Gespräche ernüchternd und entmutigend gewesen.

Der 34-Jährige verdeutlicht, dass er ein ganzes Land hatte, das sich für seine Freilassung einsetzte. Die anwesenden Holocaustüberlebenden hätten dieses Privileg nicht gehabt. Eine Überlebende erzählte: „Unsere Hoffnung war es, ein Stück Brot zu bekommen. Deine Hoffnung war, gesund zurück nach Hause zu kommen. Für deine Gesundheit haben wir täglich gebetet”.

Shalit merkt an, dass er sich bis heute in psychologischer Behandlung befindet, aber im Stande sei, ein normales Leben zu führen. „Die Zeit war schwierig und lang. Aber ich habe es hinter mir.“

Titelbild: Gilad Shalit am Tag seiner Freilassung am 18.10.2011. Foto: Israel Defence Force

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