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Falscher Alarm um chinesische Abhörgeräte?

JERUSALEM, 12.04.2022 (MS) – Die Geschichte machte im Internet und den israelischen Medien schnell die Runde: In einem Reisebecher, den die chinesische Botschaft in Israel einem israelischen Minister schenkte, wurde ein Bauteil gefunden, bei dem es sich um ein mögliches Spionagegerät handeln könnte.

Der verdächtige Becher wurde von der chinesischen Botschaft an das Ministerium für Wissenschaft und Technologie geschickt und war höchstwahrscheinlich für die Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Technologie Orit Farkash Hacohen bestimmt. Auch Transportministerin Merav Michaeli hatte solch einen Becher erhalten. Diese beiden Ministerien sind für Infrastrukturprojekte wichtig, die China möglicherweise in Israel bauen könnte.

Der Becher wurde zur Prüfung sofort an den Inlandsgeheimdienst Shin Bet geschickt, außerdem alle anderen Becher, die die chinesische Botschaft verschenkt hatte.

Doch kein Abhörgerät

Am Nachmittag gab der Shin Bet bekannt, es handele sich bei dem kleinen Gerät im Becher nicht um ein Spionagegerät. „Nach Berichten über die Entdeckung eines verdächtigen Bauteils in Thermobechern, die an ein Ministerium geschickt wurden, haben die Technikexperten des Shin Bet, die das Bauteil überprüften, festgestellt, dass es harmlos ist und dazu dient, ein Vakuum in den Seiten des Bechers aufrechtzuerhalten und die Temperatur über die Zeit zu halten“, heißt es in der Erklärung.

Die chinesische Botschaft erklärte währenddessen, dass es sich bei der Untersuchung um „unbegründete Gerüchte handelt, die schwerwiegende Auswirkungen haben, da sie darauf abzielen, einen Keil zwischen China und Israel zu treiben, das Image Chinas zu beschädigen und die Öffentlichkeit ernsthaft in die Irre zu führen.“

Die Botschaft erklärte, dass es sich bei dem angeblichen Abhörgerät um einen „Getter“ handelt, ein Material, das in vielen Thermobechern verwendet wird, und übermittelte den Medien sogar das europäische Patent für das Gerät.

Nicht unbegründet

Dass China Spionage einsetzt, um seine wirtschaftlichen und politischen Ziele zu erreichen, ist in Israel mindestens seit dem Bericht der Jerusalem Post bekannt. Die Zeitung schrieb vor etwa zwei Monaten, dass die Kommunistische Partei Chinas chinesische Studenten in Israel bat, Informationen über lokale Medien zu sammeln. Auch andere Länder haben Schritte gegen chinesische Studenten ergriffen, nachdem diese Informationen in ihren Gastländern sammelten und Technologie nach China schmuggelten.

Es ist also nicht weit hergeholt, wenn israelische Minister bei merkwürdigen chinesischen Geräten Alarm schlagen. Es könnte sogar sein, dass es sich wirklich um Abhörgeräte handelte, aber der Shin Bet die Beziehungen zu China nicht gefährden wollte. Oder durfte.

Titelbild: Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Technologie, Orit Farkash Hacohen, stellt Infrastrukturpläne vor. Wird sie von den Chinesen heimlich abgehört? Foto: Miriam Alster/FLASH90

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