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Im Schatten erneuter Gaza-Kämpfe: Familien der Entführten treffen auf Kriegskabinett

JERUSALEM, 06.12.2023 (NH) – Das Treffen des Kriegskabinetts mit Familienangehörigen entführter Geiseln sowie befreiten Gaza-Gefangenen ist hoch emotional verlaufen. Bei der gestrigen Zusammenkunft kam es neben lautstarken, harten Beschuldigungen auch zu körperlichen Übergriffen zwischen den Familien. Regierungschef Netanjahu versuchte zu erklären: „Es gibt Forderungen der Hamas, denen Ihr auch nicht zustimmen könntet. Dinge, die den Staat und unsere Existenz bedrohen.“

Geiselberichte erschüttern Kriegskabinett

Die Versammlung, die mit zweistündiger Verspätung begann, brachte einige Geiselangehörige an den Rand der Verzweiflung. In ihren Augen fördern die Kämpfe in Gaza nicht die Freilassung von Geiseln. Die Teilnehmer forderten daher, umgehend zu einem Waffenstillstand zurückkehren. Viele Angehörige sorgen sich aufgrund der schweren Bombardements der israelischen Luftwaffe um das Leben ihrer Lieben. Sie wandten sich direkt an Vertreter der Armee und baten die Streitkräfte, bei ihren Einsätzen mit Bedacht vorzugehen.

Einige befreiten Geiseln nahmen ebenfalls an dem stürmischen Treffen teil. Sie berichten nicht nur, die Luftangriffe des israelischen Militärs gehört und gefühlt zu haben, sondern auch wie Hamasterroristen sie hungern ließen und sämtliche Grundbedürfnisse ignorierten. Die anwesenden Kabinettsmitglieder hörten zum ersten Mal, wie weibliche Gefangene erschütternde Erlebnisse in den Terrortunneln der Hamas schilderten. Schwerer sexueller Missbrauch ist dabei nur eine Kategorie der Hamas-Tortur: „Auch Männer werden vergewaltigt, nicht nur Frauen“, berichtete eine der Anwesenden. Weitere Gefangene erzählten von Quälerei, Demütigungen und Schlägen. Die Heimkehrer fügten hinzu, dass vor allem Männer schweren Misshandlungen ausgesetzt sind. Viele Familienmitglieder verließen daraufhin die Versammlung. Sie befürchten, dass „den anderen Entführten die Zeit davon läuft“.

„Es sind 60 Tage her, jede Sekunde, die die Entführten dort bleiben, ist eine echte Gefahr für ihr Leben“, erklärten die Angehörigen.

Wo sind unsere entführten Soldaten?

Simcha Goldin, der Vater des vor neun Jahren getöteten und entführten Hadar Goldin, wandte sich während der Konferenz an Ministerpräsident Benjamin Netanjahu: „Wie viele Hadar Goldins und wie viele Ron Ardim hat die Hamas in Gefangenschaft? Wie viele tote und lebendige Soldaten sind in ihrer Gewalt?“ Netanjahu versicherte, dass „Goldin, Shaul, Avera und Hisham einige der Ziele sind, die sich das Kabinett gesetzt hat.“ Alon Nimrodi, Vater des entführten Soldaten Tamir Nimrodi (19) aus dem Militärstützpunkt Nir Oz, schrie: „Warum erwähnt Ihr die jüngst entführten Soldaten nicht?“. Der Ministerpräsident erklärte, das mächtige Bodenmanöver habe zur Freilassung der Geiseln geführt. „Die jüngsten Kämpfe sind der Schlüssel zur Rückkehr der restlichen Geiseln“, so Netanjahu.

Nachdem sich einige Geiselangehörige bei Netanjahu und Israels Verteidigungsminister Yoav Gallant für ihre Bemühungen bedankten, geriet das Treffen außer Kontrolle. Der verbale Streit zwischen den Familien, die ein Ende der Kämpfe forderten, und denen, die die Fortsetzung der Kämpfe befürworteten, entwickelte sich zu körperlichen Auseinandersetzungen.

Der Premierminister erklärte am Ende des Treffens, dass die Worte der Familien sein Herz berührt hätten und Teil der nächsten Überlegungen seien „Aber wir müssen den Militäreinsatz fortsetzen, denn nur so wird die Hamas unter Druck gesetzt und wir erreichen eine Einigung.“

Titelbild: Die Angehörigen der Israelis, die seit dem Massaker vom 7. Oktober von Hamas-Terroristen in Gaza als Geiseln gehalten werden, sind mit den Nerven am Ende. Foto: Tomer Neuberg/Flash90

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