
+++FREIGELASSEN+++ Die Gesichter & Geschichten hinter den Geiseln – Tal Shoham
JERUSALEM, 04.04.2024 (LS) – Wir wollen den Geiseln in Gaza ein Gesicht geben und ihre Geschichte erzählen. Wir wollen gemeinsam unseren Alltag für ein paar Minuten anhalten und für die Heimkehr eines jeden Einzelnen beten.
„Wer auch nur ein Leben rettet, rettet die ganze Welt“ (Mischna, Sanhedrin 4:5)
Tal Shoham (39)
Tal wurde am 7. Oktober im Kibbutz Be’eri von Hamas-Terroristen als Geisel genommen. Er wurde zusammen mit seiner Frau Adi Shoham, seiner Tochter Yahel (3) und seinem Sohn Naveh (8) sowie seiner Schwiegermutter Shoshan Haran, der Tante seiner Frau, Sharon Avigdori, und deren Tochter Noam (12) entführt.
Die Familie Shoham war aus ihrem Haus im Norden angereist, um Adis Familie am Wochenende des Simchat-Tora-Festes zu besuchen. Adi ist in dem Kibbuz aufgewachsen, in dem ihre Eltern Shoshan und Avshalom Haran noch lebten. Avshaloms Schwester Sharon und ihre Tochter Noam waren an diesem Wochenende ebenfalls zu Besuch. Shoshan Harans Schwester und ihr Ehemann, Lilach und Eviatar Kipnis, wohnten nebenan in Be’eri.
Am 7. Oktober versteckte sich die Großfamilie im Schutzraum der Harans, als bewaffnete Hamas-Kämpfer in den Kibbuz eindrangen.
Tal Shohams Schwager, Yuval Haran, rief seine Eltern an, als er am Morgen des 7. Oktober die Nachricht über Raketenbeschuss hörte, der den Beginn des Angriffs markierte. Seine Mutter Shoshan ging flüsternd ans Telefon und erzählte, sie habe draußen die Schreie der Terroristen gehört. Shoshan und Avshalom Haran meldeten sich nicht mehr und schrieben nur noch SMS, in denen sie ihrem Sohn mitteilten, sie steckten in großen Schwierigkeiten und wüssten nicht, ob sie überleben werden.

Nach dem Massaker galten zunächst alle Familienmitglieder als vermisst. Die Leiche des Pflegers von Eviatar Kipnis, Paul Castelvi, wurde einige Tage später im nahen gelegenen Wald von Be’eri gefunden. Nachdem Castelvis Leiche identifiziert wurde, befürchtete die Familie, alle 10 Familienmitglieder seien ebenfalls getötet worden.
Am 17. Oktober erfuhr die Familie, dass die Leichen von Eviatar Kipnis und Avshalom Haran identifiziert worden waren. Am 23. Oktober wurde auch Lilach Kipnis für tot erklärt. Etwas später erfuhr die Familie, dass sich die übrigen sieben Personen als Geiseln in Gaza befinden.
Es handele sich um eine Familie mit tiefen Wurzeln im sozialen Engagement, erklärt ein Nachbar. Die meisten Familienmitglieder hätten sich dem Friedensaktivismus angeschlossen.
Sechs Mitglieder der Familie, außer Tal, wurden am 25. November im Rahmen eines von Katar, Ägypten und den Vereinigten Staaten vermittelten vorübergehenden Waffenstillstandsabkommens zwischen der Hamas und Israel freigelassen.

Tals Vater, der wie sein Sohn die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, erzählte dem israelischen Fernsehen nach der Rückkehr seiner Schwiegertochter und Enkelkinder, der achtjährige Naveh spreche nicht wirklich darüber, was er erlebt hat.
„Er fragt nicht nach Papa, fragt nicht nach Opa“.
Die dreijährige Yahel habe nach ihrer Entlassung eine Woche lang nur im Flüsterton gesprochen. Während ihrer Gefangenschaft waren sie ständig bedroht worden, keine Geräusche zu machen.
Die Kinder seien mit ihren weiblichen Verwandten zusammengehalten worden, aber nicht mit ihrem Vater.
Tal, wir beten für Deine Rückkehr.
+++UPDATE+++
Am 22. Februar 2025 kehrten Tal Shoham, Omer Shem Tov, Omer Wenkert und Eliya Cohen nach 505 Tagen und Avera Mengistu und Hisham Al-Sayed nach einem Jahrzehnt in Geiselhaft nach Israel zurück.
Die Hamas veranstaltete eine Propaganda-Show, nachdem sie in Rafah und Nuseirat je eine Bühne aufgebaut hatte, die mit provozierenden Bildern und Parolen dekoriert war. Eliya Cohen, Omer Shem Tov und Omer Wenkert wurden in Nuseirat freigelassen und auf der Bühne gezwungen, an der demütigenden Propagandazeremonie mitzuwirken. Tal Shoham und Avera Mengistu wurden in Rafah freigelassen. Hisham, ein muslimischer Beduine, musste nicht mit den anderen fünf Geiseln an einer Propagandashow teilnehmen, sondern wurde ohne großes Aufsehen an einem anderen Ort in Gaza an das Rote Kreuz übergeben – laut der Terrorgruppe geschah dies aufgrund von „Respekt“ gegenüber der arabischen Gemeinschaft in Israel. Tal, Omer, Eliya, Omer, Avera und Hisham – willkommen zuhause!

Titelbild: Tal Shoham. Foto: privat