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Siedlergewalt: Armee entbindet Reservistenkommandeur

JERUSALEM, 03.09.2026 (DR) – Die israelische Armee (IDF) hat einen Reservistenkommandeur von seiner Führungsfunktion entbunden. Ein Video zeigte ihn beim gemeinsamen Gebet mit extremistischen Siedlern nahe dem palästinensischen Dorf Kusra. Einige Teilnehmer sollen Bewohner angegriffen oder deren Häuser belagert haben.

Die Einheit sollte Übergriffe verhindern und die extremistische Gruppe aus dem Gebiet entfernen. Nach Angaben der IDF missachtete der Kommandeur jedoch eine ausdrückliche Weisung. Er sollte jedes Verhalten vermeiden, das als Unterstützung für illegale Aktionen verstanden werden konnte. Seine Soldaten, die ebenfalls am Gebet teilnahmen, wurden nicht belangt. Nach Einschätzung der Armee gingen sie davon aus, einem rechtmäßigen Befehl ihres Kommandeurs zu folgen.

Siedlergewalt in und um Kusra

Die Belagerung in Kusra südlich von Nablus begann am 9. August. Das Dorf liegt in Gebiet B von Judäa und Samaria. Grundlage dieser Einteilung sind die Oslo-Abkommen. Gebiet A umfasst vor allem größere palästinensische Städte und steht unter palästinensischer Zivil- und Sicherheitsverwaltung. In Gebiet B verwaltet die Palästinensische Autonomiebehörde die zivilen Angelegenheiten, während Israel die Sicherheitskontrolle ausübt. Gebiet C steht unter israelischer Zivil- und Sicherheitsverwaltung. Kusra wird somit palästinensisch verwaltet, für die Sicherheit ist jedoch Israel zuständig.

Nach palästinensischen Angaben blockierten radikale Siedler Zufahrten zu Häusern und beschädigten Wasser- und Stromleitungen. Die IDF räumte einen nicht genehmigten Außenposten mehrfach. Bewohner berichten jedoch, die Aktivisten seien wiederholt in das Gebiet zurückgekehrt.

Israelische Sicherheitsanalysen nennen unterschiedliche Hintergründe für die Gewalt extremistischer Siedler. Manche Übergriffe erfolgen demnach als Vergeltung für palästinensische Terroranschläge. Bei anderen Tätern steht das Ziel im Vordergrund, die jüdische Präsenz in dem umstrittenen Gebiet auszuweiten und Palästinenser von bestimmten Flächen zu verdrängen. Welche Motive bei den einzelnen Beteiligten in Kusra überwogen, ist nicht geklärt.

Am vergangenen Wochenende kam es erneut zu Gewalt. Siedler umstellten ein palästinensisches Haus und warfen Steine auf die darin eingeschlossenen Bewohner. Zudem griffen Maskierte im benachbarten Jalud eine Palästinenserin und Mitarbeiter des US-Senders NBC an. Mehrere Menschen wurden verletzt. Bis Mittwochmorgen waren keine Festnahmen bekannt. Armee und Polizei machten sich anschließend gegenseitig für das mangelhafte Vorgehen verantwortlich.

Israel trennt Gewalt von Siedlungspolitik

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte die Gewalt als kriminelle Taten einer kleinen Gruppe. Diese schade der großen Mehrheit gesetzestreuer Siedler und Israels internationalem Ansehen.

Ein ranghoher israelischer Regierungsvertreter unterschied zugleich zwischen zwei Streitfragen: Israel weist die vor allem von europäischen Staaten erhobene grundsätzliche Kritik am jüdischen Siedlungsbau zurück. Gewalttaten israelischer Extremisten müssten dagegen verfolgt werden. Die Zahl solcher Vorfälle sei seit ihrem Höchststand im März gesunken. Gleichzeitig hätten Festnahmen und andere Maßnahmen zugenommen.

Generalstabschef Eyal Zamir hat zusätzliche Einheiten nach Judäa und Samaria verlegt. Zugleich warnte er, diese Einsätze bänden Soldaten, die an anderen Fronten benötigt würden. Die Armeeführung stellte auch die eigenmächtige Aktion des Abgeordneten Zvi Sukkot in Madama in diesen Zusammenhang.

Titelbild: Israelische Sicherheitskräfte räumen am 17. November 2025 illegale Gebäude im Außenposten Tzur Misgavi in Gusch Etzion. Das Archivbild zeigt die Spannungen zwischen den Behörden und einer kleinen Gruppe extremistischer Siedler. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

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