
Netanjahus Koalitionspartner im Visier von US-Milliardär Ackman
JERUSALEM, 02.11.2026 (DR) – Die Knesset-Wahl vom 27. Oktober hat Israel vor schwierige Koalitionsverhandlungen gestellt. Netanjahus Lager verfügt über 53 der 120 Mandate und benötigt mindestens acht weitere für eine Mehrheit. Ausgerechnet zwei seiner bisherigen Bündnispartner stehen in der Kritik des amerikanischen Milliardärs und Israel-Unterstützers Bill Ackman.
Kritik mit diplomatischem Hintergrund
Noch vor der Wahl hatte Ackman eine Regierung ohne Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich gefordert. „Ben-Gvir und Smotrich haben Israels Ansehen durch ihre Äußerungen und ihr Verhalten enorm geschadet“, schrieb er am 25. Oktober auf X. Nach Ackmans Einschätzung stellten internationale Medien deren Positionen als Stimme aller Israelis dar.
Die Kritik hat einen konkreten diplomatischen Hintergrund: Großbritannien, Kanada und Australien verhängten Sanktionen gegen die beiden Minister wegen Vorwürfen der Anstiftung zu Gewalt gegen Palästinenser in Judäa und Samaria.
Dass Ben-Gvir diplomatischen Beziehungen eine geringere Bedeutung als Sicherheitsfragen beimisst, hatte er bereits während einer Wahlkampfveranstaltung deutlich gemacht: „Es ist wichtig, dass wir auf der Weltbühne gut dastehen. Aber nicht auf Kosten unserer Kämpfer und Soldaten.“
Ackman hingegen sieht gerade in Israels internationalen Beziehungen einen entscheidenden Grund für einen politischen Kurswechsel. Eine Regierung ohne die beiden Minister könne Israels Glaubwürdigkeit stärken, die Beziehungen zu beiden großen amerikanischen Parteien verbessern und eine Erweiterung der Abraham-Abkommen mit arabischen Staaten erleichtern.
Umfragen zeigen Kritik auch an Netanjahu
Dass Israels Ansehen in den USA gelitten hat, bestätigt eine Umfrage des Pew Research Center vom März 2026. Demnach hatten 60 Prozent der Amerikaner ein negatives Bild von Israel, gegenüber 42 Prozent im Jahr 2022.
Die Umfrage belegt allerdings keinen Zusammenhang zwischen den beiden Ministern und Israels Ansehensverlust. Vielmehr hatten 59 Prozent der Befragten wenig oder gar kein Vertrauen in Netanjahus außenpolitische Entscheidungen. Unter den Demokraten waren es sogar 76 Prozent.
Ackman selbst ist auch politisch engagiert. Bei der US-Präsidentschaftswahl 2024 unterstützte er Donald Trump. Der Gründer der Investmentgesellschaft Pershing Square Capital Management pflegt zudem enge wirtschaftliche Verbindungen zu Israel. Gemeinsam mit seiner israelischen Ehefrau Neri Oxman besitzt er rund fünf Prozent der Tel Aviver Börse. Seine Investitionen in Israel bezifferte er gegenüber Calcalist auf knapp 100 Millionen US-Dollar (rund 89 Millionen Euro).
Netanjahu hält an seinen Partnern fest

Ben-Gvirs und Smotrichs Parteien gewannen zusammen 13 Mandate. Ohne sie käme Netanjahus bisheriges Lager nur auf 40 Sitze. Dennoch versicherte Netanjahu beiden nach der Wahl laut Channel 14: „Wir sind zusammen und wir bleiben zusammen.“
Auch die Opposition verfügt mit 48 Mandaten über keine eigene Mehrheit. Eine Regierungsbildung mit Unterstützung anderer Parteien würde bislang nicht vereinbarte politische Kompromisse erfordern.
Während Ackman für einen außenpolitischen Neuanfang ohne die beiden Minister plädiert, hält Netanjahu an ihnen fest. Ob sich daraus eine stabile Regierungsmehrheit bilden lässt, werden die Koalitionsverhandlungen zeigen.
Titelbild: Der jüdische Milliardär und US-Hedgefondsmanager Bill Ackman spricht auf einer Konferenz in Beverly Hills, Kalifornien. Foto: Patrick T. Fallon/AFP