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Die Gesichter & Geschichten hinter den Geiseln – Kfir Bibas

JERUSALEM, 23.06.2024 (NH) – Wir wollen den Geiseln in Gaza ein Gesicht geben und ihre Geschichte erzählen. Wir wollen gemeinsam unseren Alltag für ein paar Minuten anhalten und für die Heimkehr eines jeden Einzelnen beten.

„Wer auch nur ein Leben rettet, rettet die ganze Welt” (Mischna, Sanhedrin 4:5)

Kfir Bibas (1), Kibbuz Nir Oz

Mit neun Monaten werden die niedlichen Brabbel-Geräusche eines Babys langsam zu echten Worten. Es ist aufregend, wie der kleine Mensch mit seinem Mund versucht, Mamas Worte nachzusprechen. Mit neun Monaten klatschen, sitzen und krabbeln viele Babys. Oft fangen die Kleinen jetzt an, sich an Möbeln hochzuziehen. Das Gehirn des Kindes wird immer ausgefeilter – Gesten wie “Gib” und “Nimm” werden immer gezielter. Auch der süße Pinzettengriff wird immer zielsicherer. Viele Babys erleben um den neunten Monat einen Wachstumsschub. Das Leben des kleinen Menschen ist nun zu einem richtigen Abenteuer geworden…

Kfir wurde am 18. Januar 2023 im Grenzkibbuz Nir Oz geboren. Der kleine Bibas, mit seinen rotfarbenen Haaren war am 7. Oktober 2023 gerade einmal neun Monate alt.

Kfir Bibas, ein neun Monate altes, bezauberndes Baby. Die roten Haare hat der Kleine von Shiris Vater. Der liebende Großvater hat den Terrorangriff nicht überlebt. Foto: privat

Der 7. Oktober

Am 7. Oktober 2023 drangen Tausende mordgierige Palästinenser, unter dem Deckmantel eines noch nie dagewesenen Raketenbeschusses auf ganz Israel, in den Süden des Landes ein. Palästinensische Terroristen und Zivilisten schlachteten, folterten und vergewaltigten junge und alte Israelis mit schrecklicher und unmenschlicher Brutalität – dabei machten die Terroristen keinen Unterschied zwischen Juden und Arabern. Etwa 1.200 Menschen wurden an diesem Tag bestialisch ermordet. Ganze Familien wurden in ihren Häusern hingerichtet, über 360 Menschen bei einem Musikfestival massakriert. Schätzungsweise 250 Israelis wurden verschleppt. Bei den Entführten drehte es sich hauptsächlich um Zivilisten. Der Kibbuz Nir Oz verlor an diesem Schwarzen Schabbat 38 Gemeindemitglieder, 78 wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Das süße Babygesicht des kleinen Jungen ist nicht grundlos auf der ganzen Welt bekannt: Kfir Bibas ist die jüngste der 253 Geiseln, die von der Terrororganisation Hamas und anderen militanten Gruppen während der blutigen Terrorinvasion nach Gaza verschleppt wurden. Neben dem unschuldigen Baby wurden auch seine Eltern Yarden und Shiri mit dem vierjährigen Brüderchen Ariel aus dem Kibbuz Nir Oz entführt.

Statt sich an den Meilensteinchen ihres neun Monate alten Babys zu erfreuen, müssen die Eltern um ihr Leben und schlimmer noch, um das ihrer unschuldigen Kinder bangen.

Shiri wird mit Ariel (rechts) und Kfir (links) nach Gaza entführt. Das Grauen steht der jungen, verängstigten Mutter ins Gesicht geschrieben. Foto: Hamasvideo Screenshot

Es ist nicht klar, ob Baby Kfir und seine Familie noch am Leben sind. Weder die kleinen Jungen noch ihre Mutter wurden während des vorübergehenden Waffenstillstands zwischen der Hamas und Israel Ende November aus der Gefangenschaft in Gaza befreit. Das, obwohl das erste Geiselabkommen zwischen den Fronten die Freilassung aller Frauen und Kinder vorsah. Als Erklärung berichtete das israelische Militär zum damaligen Zeitpunkt, es werde angenommen, dass die Familie von anderen Milizen und nicht von der Hamas oder dem Islamischen Dschihad gefangen gehalten wird.

Es kursieren jedoch auch Spekulationen, dass die Familie in der Nähe des brutalen Hamas-Führers Yahya Sinwar festgehalten wird. Besonders die Kinder sollen als menschliche Schutzschilde agieren und den Terrorchef vor israelischen Versuchen schützen, in den Tunneln unter Gaza gefangen genommen oder gar getötet zu werden.

Shiri Bibas und ihre Kinder in Khan Yunis

Israelische Soldaten, die auf den verschiedenen Plattformen und Webseiten die palästinensischen Terrororganisationen überwachen, fanden schließlich neue schockierende Aufnahmen von Überwachungskameras, die Shiri Bibas im Gazastreifen lebend dokumentieren. Das Video muss jedoch schon an dem Tag der Entführung gefilmt worden sein. In dem Bildmaterial läuft Shiri barfuß eine Straße entlang, begleitet von einer Meute von Terroristen, die versuchen, die wehrlose Mutter unter einer Decke zu verstecken. Am Ende der erschütternden Aufnahmen werden die Geiseln in ein Auto gesetzt und das Gefährt verlässt den Ort des Geschehens.

“Ariels kleiner Kopf ragt durch die Decke heraus, in die sie Shiri zwangsweise gewickelt haben – Kfir ist nicht zu sehen”, berichtete der israelische Militärsprecher Daniel Hagari kurz nach Veröffentlichung des Bildmaterials. “Wir sind sehr besorgt über den Zustand und das Wohlergehen von Shiri und den Kindern. Wir unternehmen alle Anstrengungen, um weitere Informationen zu sammeln.”

Auch Israels Premierminister Benjamin Netanjahu bezog sich auf die Aufnahmen von Shiri  in den Straßen Gazas und versicherte: “Das Video, in dem wir die Familie Bibas in Gaza sehen, trifft uns tief ins Herz und erinnert uns daran, mit wem wir es zu tun haben – mit grausamen Baby-Entführern. Wir werden die Rechnung mit ihnen begleichen.”

Im ganzen Land wurde der erste Geburtstag von Kfir Bibas in Hamas-Gefangenschaft mit orangefarbenen Luftballons markiert. Foto: Miriam Alster/Flash90

Angebliche Tötung und 1. Geburtstag

Am 29. November behauptete die amtierende Terrororganisation in Gaza, Shiri und die beiden Kinder wären bei einem israelischen Luftangriff in der palästinensischen Stadt Khan Yunis getötet worden.  Ein Video des verzweifelten Vaters, Yarden Bibas, in dem er den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu für die Ermordung seiner Familie verantwortlich machte, folgte den Behauptungen der Terroristen. Beweise bezüglich des Todes von Shiri, Ariel und Kfir wurden nicht veröffentlicht.

Zwei Monate später, am 18. Januar, feierte der kleine Kfir seinen einjährigen Geburtstag – in Hamas-Gefangenschaft. Der erste Geburtstag eines Babys ist normalerweise ein besonderes und glückliches Ereignis. Doch das festliche Datum ist in diesem Fall einfach nur erschreckend schmerzhaft. Kfirs erster Geburtstag berührte die Herzen aller Israelis. Vielleicht erinnerte es an den ersten Geburtstag des eigenen Kindes oder Enkels. In ganz Israel wurde der Geburstag des kleinen Jungen markiert. Neben orangefarbenen Luftballons, wurde auch die Knesset mit rötlichem Licht bestrahlt – eine Anspielung auf Kfirs rote Haare. Seine Familienangehörigen hielten eine Veranstaltung auf dem Geiselplatz in Tel Aviv ab, um an den “traurigsten Geburtstag der Welt” zu erinnern. 

Hoffnung

Am 13. Juni deutete Benny Gantz, Vorsitzender der “Bitachon Leumi”-Partei an, dass “Israel sich des Schicksals der Familie Bibas bewusst sei”. In einem Interview mit dem israelischen Nachrichtensender Kan 11 bejahte Gantz die Frage, ob Israel das Schicksal von Shiri, Yarden, Ariel und Kfir Bibas kenne. Spezifische Details nannte der Parteivorsitzende zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht. “Ich denke ja”, erklärte Benny Gantz und fügte hinzu, dass die israelische Öffentlichkeit über das Schicksal der Familie in Kenntnis gesetzt werde, “wenn die Zeit reif ist”.

Kfir und Ariel sind keine Feinde der Hamas. Die Entführung von unschuldigen Kindern stellt keinen Widerstandskampf dar. Die Welt schafft einen Präzedenzfall, der die Entführung von Kindern aus ihren Betten toleriert.

Kfir, wir beten für Deine Rückkehr.

Familie Bibas zu glücklichen Zeiten. Foto: privat

Titelbild: Kfir Bibas. Foto: privat

 

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