
Schabbatduft: Traditionelle Rezepte zum Nachkochen (105): Chraime – Tunesischer Fischtopf (scharf!)
von Nadine Haim Gani
JERUSALEM, 15.11.2024 – Chraime ist ein typisch tunesischer Fischtopf und gilt als das absolute Nonplusultra unter den Schabbatgerichten. Dabei handelt es sich nicht nur um einen Topf mit saftigem Fisch in einer aromatischen Soße aus Tomatenmark mit einer Extraportion Paprika und Knoblauch. Chraime ist für viele mehr als ein Stück Tradition: Ihre Aromen symbolisieren Heimat, Heiligkeit und Liebe.
Glaubt man den tunesischen Juden im Land, hat die Chraime ihre Wurzeln im libyschen Tripolis. Aber auch die Juden mit marokkanischem Migrationshintergrund erheben nach wie vor kulinarische Machtansprüche auf das Fischgericht. Dabei ist es im Heiligen Land ein weit verbreiteter Irrtum, die Chraime mit dem traditionellen „marokkanischen Fisch“ zu vergleichen. Trotz einiger Ähnlichkeiten, wie der pikante Geschmack, der Knoblauch und die extra Portion Paprika, ist der Hauptunterschied die dickflüssige Sauce der Chraime. Außerdem enthält das marokkanische Fischgericht frisches Gemüse wie Paprika, Karotten, Tomaten und sogar Kichererbsen – während die Zutatenliste des tunesischen Topfes deutlich kürzer ist.
Wichtig für die traditionelle Chraime ist auch die Wahl des Fisches. Die reichhaltige und konzentrierte Fischsauce erfordert ein Fischfilet, das beim Kochen nicht zerfällt. Daher ist es ratsam, eine Fischart zu wählen, deren Textur fleischig, aber nicht zu fett und schwer verdaulich ist. Außerdem sollte der Fisch keinen zu starken Eigengeschmack haben. So bleibt das pikante Aroma der Sauce der Star des traditionellen Schabbatgerichts. Wir empfehlen daher Kabeljau, Tilapia, Barsch, Meeräsche (die bekannteste Variante des Chraime-Topfes) oder Lachs. Los geht’s!

- Kochzeit: 1 Stunde 30 Minuten
- Portionen: 4-5 Personen
- Schwierigkeitsgrad: einfach
Zutaten:
- 4-5 mittelgroße Fischfilets
- Saft einer Zitrone
- 1 Prise Salz
Für die Soße:
- 100 ml Öl
- 10-15 Knoblauchzehen
- 1-2 grüne scharfe Peperoni
- 2 TL Salz
- 1/2 TL Pfeffer
- 2 TL Paprika edelsüß, gehäuft
- 1/2 TL Cheyenne-Pfeffer
- 1 flacher TL Kreuzkümmel
- 2 TL Zucker
- 7-8 EL Tomatenmark
- Saft 1-2 Zitrone(n)
- 600 ml Wasser

Zubereitung:
Und so geht’s:
Zunächst wird der Fisch eingelegt. Die Fischfilets in eine Schüssel geben, mit etwas Salz bestreuen und den Saft einer Zitrone darübergießen. Abgedeckt mindestens 1 Stunde ruhen lassen.
In einer hohen beschichteten Pfanne das Öl erhitzen. Die Knoblauchzehen schälen und pressen, die Peperoni waschen und in dünne Scheibchen schneiden.

Den Knoblauch und die Peperoni ins heiße Öl geben etwa 30 Sekunden im heißen Fett unter ständigem Rühren anbraten.
Alle Trockengewürze über dem Gemüse verteilen und gründlich vermengen. Das heiße Öl öffnet die Aromen der Gewürze.

Das Tomatenmark dazugeben, kurz verrühren und mit dem Zitronensaft und dem Wasser ablöschen. Die Tomatensoße kurz aufkochen und bei halb geschlossenem Deckel auf niederer bis mittlerer Hitze ca. 45 Minuten einköcheln lassen. Immer wieder vorsichtig umrühren, damit die Soße nicht am Topfboden anbrennt.

Die Fischfilets aus dem Zitronensaft nehmen und (ohne Abwaschen) auf der Tomatensoße platzieren. Den Topf vorsichtig hin und her schwenken, sodass alle Fischstücke mit der Soße bedeckt sind (ggf. etwas heißes Wasser nachgießen) und bei geschlossenem Deckel 10-15 Minuten auf mittlerer Hitze gar köcheln.
Den Fisch mit einer Extraportion Soße und frischem Schabbatbrot servieren.

TIPP: Sind Sie kein Freund von scharfen Gerichten, verzichten Sie auf die grünen Peperoni und den Cheyennepfeffer. Statt der 10-15 Knoblauchzehen, nur auf 5-8 Stück zurückgreifen.

Wir wünschen unseren Lesern ein herzliches Schabbat Schalom und Bete-avon!