zurück zu Aktuelles

„Wir müssen ihn jetzt retten“ – die stille Verzweiflung der Geiselfamilien

JERUSALEM, 06.08.2025 (BF) – Ein neuer medizinischer Bericht erschüttert Israel. Die israelischen Geiseln Evyatar David und Rom Braslavski, die sich seit dem 7. Oktober in der Gewalt der Hamas befinden, haben laut dem Forum der Geiselfamilien fast die Hälfte ihres Körpergewichts verloren. Der Bericht basiert auf aktuellen Bildern, ärztlichen Analysen sowie Aussagen freigelassener Geiseln und belegt, dass es sich um eine systematische, gezielte Aushungerung handelt.

Die Bilder, die die Hamas selbst veröffentlichte, zeigen Evyatar David in einem Zustand extremer Mangelernährung. Klinische Einschätzungen deuten auf einen Gewichtsverlust von über 40 Prozent hin. David wiegt heute nur noch 40 bis 45 Kilogramm. Braslavski, ohnehin mit geringer Körpermasse in die Gefangenschaft gegangen, hat etwa 31 Prozent verloren. Sein Gewicht liegt aktuell bei rund 43 bis 47 Kilogramm.

Die medizinischen Konsequenzen dieser Hungerfolter sind gravierend. In einem fortschreitenden Prozess beginnt der Körper, erst Fett, dann Muskeln und schließlich lebenswichtige Organe wie das Herz abzubauen. Sobald der Fettanteil unter fünf Prozent sinkt, drohen Herzversagen, Nierenkollaps und plötzlicher Tod. Begleitet wird dieser Zustand durch neurologische Schäden, Konzentrationsverlust, Depressionen und in manchen Fällen auch Halluzinationen. Mediziner bezeichnen dieses Stadium als „verhungerndes Gehirn“.

Ein Cousin kämpft gegen das Vergessen

Während offizielle Stellen sich zurückhalten, erhebt nun ein Familienmitglied öffentlich seine Stimme. Matan Eshet, Cousin von Evyatar David, bringt die Dramatik der Situation mit einfachen Worten auf den Punkt: „Ich benötige kein medizinisches Gutachten, um zu sehen, dass er dem Tod näher ist als dem Leben.“

Evyatar David, damals 22 Jahre alt, vor seiner Entführung. Foto: privat

Eshet kennt Evyatar seit ihrer Kindheit. Ihre Familien lebten Tür an Tür in Kfar Saba. Seit fast zwei Jahren kämpft er mit unermüdlichem Einsatz für die Rückkehr seines Cousins. Nach dem 7. Oktober begleitete er die Familie zu Pressekonferenzen, organisierte Treffen mit Diplomaten und sorgte dafür, dass Davids Eltern regelmäßig aßen. Heute ist er müde, aber nicht still. „Ich sehe sein Gesicht, jedes Mal, wenn ich die Augen schließe. Wir benötigen jetzt Hilfe – nicht morgen, nicht nächste Woche.“

Evyatar David in einem am 1. August 2025 veröffentlichten Geiselvideo. Foto: Screenshot Hamasvideo

Besonders erschütternd war das jüngste Propagandavideo. Darin wird Evyatar gezwungen, in einem Tunnel sein eigenes Grab zu schaufeln. Für Eshet und die Familie war klar: Das ist keine Botschaft, das ist psychologische Folter.

Zwischen Angst und Entschlossenheit

Die Familie von Evyatar David hat wenig Vertrauen in internationale Organisationen oder politische Versprechen. Der Kontakt zu ehemaligen Geiseln wie Omer Wenkert oder Tal Shoham hat ihnen ein klares Bild vom Alltag unter der Erde vermittelt. Ständiger Hunger, Dunkelheit, Isolation. Die Angehörigen setzen nun alles daran, internationalen Druck zu mobilisieren. Nicht nur auf die Hamas, sondern auch auf Entscheidungsträger in Israel.

„Wir haben keine Kraft mehr, wütend zu sein“, sagt Eshet. „Die Welt muss hinschauen, sehen, was mit Evyatar geschieht – und endlich handeln.“

Denn eines ist sicher: Zeit ist keine verhandelbare Größe mehr. Der Körper von Evyatar David ist geschwächt, seine Organe arbeiten am Limit. Noch schlimmer aber ist das Gefühl, vergessen worden zu sein.

„Wir müssen ihn jetzt zurückholen“

Der Appell von Matan Eshet richtet sich an die Öffentlichkeit, aber auch an die politische Führung. „Ruft nicht an, um uns Mitgefühl zu zeigen. Ruft an, wenn ihr einen Plan habt, ihn zu holen.“ Es ist ein verzweifelter Aufruf, ein letzter Versuch, die Welt wachzurütteln.

Während Bilder und Berichte um die Welt gehen, bleibt der Gedanke, der Eshet nicht loslässt: „Das ist ein junger Mann. Mein Cousin. Wir müssen ihn jetzt retten. Jetzt!“

Titelbild: Demonstranten fordern vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York City die Freilassung der Geiseln. In der Mitte sind Plakate mit Screenshots von Evyatar David aus Hamas-Geiselvideos zu sehen. Foto: Liri Agami/Flash90

Weitere News aus dem Heiligen Land