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Saidijan fordert Vorrang für Frontkämpfer im Streit um das Grundgesetz „Thorastudium“

JERUSALEM, 06.07.2026 (DR) – Der israelische Kriegsveteran Itzik Saidijan hat in einem Knesset-Ausschuss scharfe Kritik am Grundgesetzentwurf „Thorastudium“ geübt. Saidijan leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Er forderte, Frontsoldaten und verwundete Kämpfer müssten in Israels nationaler Rangordnung an erster Stelle stehen.

„Bei allem Respekt vor dem Wert der Thora und des Militärdienstes: Den höchsten Wert müssen die bekommen, die in den Kampf gezogen sind und bereit waren zu sterben“, erklärte Saidijan während der Debatte.

„Nicht in der Theorie, sondern im Feuer“

Saidijan verwies auf die vergleichsweise kleine Gruppe der Israelis, die tatsächlich an der Front kämpfen. Laut Times of Israel dienen nur rund zehn Prozent der Bevölkerung in Kampf- oder Unterstützungsrollen. Es seien Menschen, die Freunde sterben sahen, Leichen bargen und „nicht in der Theorie, sondern an der Feuerlinie“ alles geopfert hätten.

Besonders hob er Soldaten und Soldatinnen hervor, die verwundet wurden oder seelische Wunden davontrugen. Diese Menschen gingen am nächsten Tag auf die Straße und hätten das Gefühl, der Staat habe sie vergessen. Deshalb müsse der Staat zuerst über die Kämpfer sprechen, bevor er andere Werte gesetzlich aufwerte.

Saidijan: eine Stimme mit besonderem Gewicht

Saidijan wurde in Israel 2021 zu einem Symbol für den Kampf traumatisierter Soldaten um Anerkennung. Der ehemalige Soldat der Golani-Brigade hatte sich damals vor der Rehabilitationsabteilung des Verteidigungsministeriums in Petah Tikva selbst in Brand gesetzt. Er überlebte schwer verletzt und erwachte Monate später aus dem Koma

Heute leitet er die Organisation B’Gova HaEinaim, zu Deutsch „Auf Augenhöhe“. Sie setzt sich für verwundete und traumatisierte Soldaten ein und begleitet sie im Umgang mit Behörden, Rehabilitation und öffentlicher Anerkennung.

Streit um Thorastudium als Staatswert

Saidijans Auftritt fällt in eine angespannte Debatte um das Grundgesetz „Thorastudium“. Die Koalition treibt den Entwurf im Rahmen von Absprachen mit charedischen Parteien voran. Ziel ist es, das Thorastudium als grundlegenden Wert des jüdischen Staates zu verankern. Künftig soll es als Gegengewicht zum Gleichheitsgrundsatz genutzt werden, etwa bei Gesetzen zur Wehrpflicht von Jeschiwa-Studenten.

Eine frühere Fassung hatte den Status von Thoraschülern noch mit dem von Soldaten verglichen. Dieser Passus wurde nach öffentlicher Kritik gestrichen. In der aktuellen Version heißt es, der Staat Israel sehe als jüdischer Staat große Bedeutung in der Förderung des Thorastudiums. Menschen, die sich langfristig dem Thorastudium widmen, würden damit als bedeutender Beitrag für Israel und das jüdische Volk gewertet.

Titelbild: Itzik Saidijan während einer Sitzung in der Knesset, 15.09.2025. Bild: Oren Ben Hakoon/Flash90

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