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Die Gesichter & Geschichten hinter den Geiseln – Alon Ohel

JERUSALEM, 06.06.2024 (LS) – Wir wollen den Geiseln in Gaza ein Gesicht geben und ihre Geschichte erzählen. Wir wollen gemeinsam unseren Alltag für ein paar Minuten anhalten und für die Heimkehr eines jeden Einzelnen beten.

„Wer auch nur ein Leben rettet, rettet die ganze Welt” (Mischna, Sanhedrin 4:5)

Alon Ohel (22), Lavon

Alon ist ein begabter Jazz-Pianist. Im letzten Herbst sollte er sein Studium an einer der besten Musikhochschulen Israels, der Rimon School of Music in Tel Aviv, beginnen.

„Musik ist ein großer Teil seines Lebens“, erzählt seine Mutter Idit Ohel. „Er bewegt sich durch Musik. Er bewegt sich sogar körperlich durch die Musik. Man kann sehen, wenn er sich bewegt – es ist, als würde er die ganze Zeit Musik hören.“

Am 7. Oktober besuchte Ohel zusammen mit Freunden das Supernova-Festival in der Wüste nahe dem Gazastreifen. Als der Angriff der Hamas um 6:30 Uhr morgens begann, versuchten sie, in ihrem Auto zu entkommen, mussten aber umkehren, da die Bewaffneten aus allen Richtungen schossen.

Die Freunde rannten zu einem der öffentlichen Schutzbunker am Straßenrand, von wo aus Alon um 8:08 Uhr die letzte SMS an seine Familie schrieb.

Hamas-Terroristen erreichten den Bunker schon bald und begannen, Granaten hineinzuwerfen und zu schießen. Alon befand sich in demselben Schutzbunker wie Eliya Cohen, Hersh Goldberg-Polin und Or Levy. Die Entführung der vier Männer ist in einem Hamasvideo zu sehen.

Alon wird zu einem Pick-up der Hamas-Terroristen gezerrt. Foto: Screenshot Hamasvideo

Einer der Terroristen zieht Alon an den Haaren über den Boden. Dabei fällt dem jungen Musiker sein Telefon herunter, dass später von einem der Überlebenden aufgehoben und ins Soroka-Krankenhaus gebracht wurde.

Die vier Israelis werden auf die Ladefläche eines Pick-ups gezwungen und nach Gaza entführt.

Alon wird mit Hersh, Eliya und Or auf einen Pick-up geladen. Dabei schlagen die Terroristen immer wieder auf sie ein. Foto: Screenshot Hamasvideo
Ein Lied für Alon

Alons Bruder Ronen, der ebenfalls Musiker ist, wandte sich an den Jazzmusiker Avishai Cohen mit der Bitte, mit ihm zusammen seinen Song „Shuvi Elay“ (Return to Me) aufzunehmen, da dieses Lied die beiden als Brüder verbindet. Der bekannte Musiker kam in das Haus der Familie und nahm das Lied mit Alons Familie und Freunden auf.

Der Song “Shuvi Elay” – Avishai Cohen mit Alons Familie und Freunden

Alons Familie brachte außerdem ein gelbes Klavier zum Geiselplatz in Tel Aviv, als Zeichen der Hoffnung auf seine Rückkehr. Die Besucher sind eingeladen, auf dem Klavier zu spielen und Liebe und Kraft zu senden.

Im Januar organisierte die Familie ein Konzert für Alon in einem Gemeindezentrum in Zikim, einem Kibbutz in der Nähe des Gazastreifens, mit einigen von Alons israelischen Lieblingskünstlern wie Guy Mazig. Außen an dem Gemeindezentrum hingen zwei Reihen von Lautsprechern an einem Kran, die in Richtung Gaza gerichtet waren, in der Hoffnung, Alon könne das Konzert hören.

Das gelbe Klavier der Familie Alon auf dem Geiselplatz in Tel Aviv. Foto: Avshalom Sassoni/Flash90

Alon Ohel besitzt neben der israelischen auch die serbische Staatsbürgerschaft. Idit erklärt, das Land tue alles, um zu helfen und Alon zurückzubringen.

„Ich denke, dass die serbische Regierung, insbesondere Präsident Aleksandar Vucic, viel getan hat, und ich möchte, dass sie weiter nach einem Weg suchen, ihn zurückzubringen. Wir danken ihnen dafür”, so Idit.

„Ich möchte, dass das alles ein Ende hat. Ich bin eine Mutter, die möchte, dass ihr Sohn zurückkehrt. Wie ich von freigelassenen Geiseln gehört habe, sind sie dort ohne Essen und Licht und müssen den ganzen Tag sitzen… Es ist sehr schwierig, im Moment in Gaza zu sein”, fügte sie hinzu.

Sie erzählt, ihr sei oft danach zumute, der ganzen Welt zuzurufen: „Es reicht!“ Unschuldige Zivilisten seien von israelischem Boden entführt worden, und die Welt muss dies beenden und diese unschuldigen Menschen in ihre Häuser, zu ihren Familien zurückbringen.

„Jeden Tag schaue ich auf Alons Bild und sage mir, dass ich alles tue, um ihn zurückzubringen, und dass es mir leidtut, dass ihm das passiert ist. Meine Familie erlebt dies nun schon zum zweiten Mal. Meine Vorfahren lebten in Europa, in Jugoslawien, von wo sie während des Zweiten Weltkriegs fliehen mussten. Dies ist das zweite Mal, dass jemandem in unserer Familie so etwas passiert, nur weil er Jude ist”.

Alon, wir beten für Deine Rückkehr.

Foto: Forum der Familien und Freunde von Hunderten von unschuldigen Entführten, die von der Hamas als Geiseln genommen wurden.

Titelbild: Alon Ohel. Foto: privat

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