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Zwischen Trauer und Lebenswillen: Streit und Konfrontationen zu Simchat Thora am Nova-Gedenkort

JERUSALEM, 05.10.2026 (NH) – Am Nova-Gedenkort bei Kibbuz Re’im sind an Simchat Thora tiefe Trauer und jüdischer Lebenswille aufeinandergeprallt. Hunderte Menschen haben sich dort zu Thora-Umzügen (Hakafot) und Hallel-Gebeten versammelt, an einem Ort, der wie kaum ein anderer für die Gräueltaten des 7. Oktober 2023 steht. Hamas-Terroristen haben dort 378 junge Menschen ermordet, Hunderte weitere verletzt und 44 Menschen als Geiseln nach Gaza verschleppt. Wo damals unvorstellbare Barbarei geherrscht hat, sind nun der Schmerz der Hinterbliebenen, ihre Wut und der Wille zum jüdischen Weiterleben aufeinandergetroffen

Beispiellose Brutalität und die Wut der Hinterbliebenen

Das Ausmaß der Gewalt am 7. Oktober war beispiellos. Schwer bewaffnete Hamas-Terroristen stürmten das Festivalgelände. Sie schossen auf flüchtende Jugendliche und warfen Handgranaten in Schutzräume (Miguniyot). Zudem griffen sie einen Rettungswagen an, in dem Verletzte lebendig verbrannten. Neben den Morden kam es zu zahlreichen Vergewaltigungen und Massenvergewaltigungen. Die Täter verstümmelten Opfer und misshandelten sie auf grausame Weise. Schutzlose Menschen ermordeten sie aus nächster Nähe.

Für die Angehörigen ist dieser Ort deshalb kein gewöhnlicher Gedenkplatz. Für sie ist es Erde, die vom Blut ihrer Kinder gezeichnet ist. Eran Litman verlor seine Tochter Oriya auf dem Festivalgelände. Er forderte deshalb ein Ende der Veranstaltungen. Die Erde sei mit dem Blut ihrer Kinder getränkt, erklärte er. An einem solchen Ort könne man nicht tanzen. Auch in Auschwitz würde niemand tanzen. Auch Yoram Yehudai verlor seinen Sohn Ron. Er sprach von einer tiefen Demütigung durch die Feiern. Zudem verglich er das Gelände mit den Vernichtungslagern Auschwitz und Treblinka. Er forderte deshalb Ehrfurcht vor dem Ort. Auch Angehörige wie Omri Rachum und Dasi Aviad sowie die Forstverwaltung KKL-JNF forderten, die Würde des Gedenkortes zu wahren.

Eran Litman, Vater der am 7. Oktober auf dem Nova-Festival ermordeten Oriya Litman Ricardo, konfrontiert Gläubige während der Simchat-Thora-Feier am 3. Oktober 2026 am Nova-Gedenkort bei Kibbuz Re’im. Foto: Tsafrir Abayov/Flash90
Wo der Tod wütete, siegt das Leben

Die Organisatoren der Initiative „Simchat Thora in Re’im“ sehen die Feiern dagegen nicht als Respektlosigkeit. Für sie und viele Teilnehmer stehen Gebete und Thora-Tänze für den jüdischen Lebenswillen. Kobi Samrano verlor seinen Sohn Yonatan. Hamas-Terroristen ermordeten ihn am Nova-Gelände und verschleppten seinen Leichnam nach Gaza. Samrano erklärte die Motivation der Feiernden mit wenigen Worten: „Wo die Musik aufhörte, machen wir mit Gesang, Gebet und Hakafot weiter.“ Für die Betenden steht die Feier deshalb für den Willen, trotz des Terrors weiterzuleben. Sie wollen ihren Glauben und ihre jüdische Tradition bewahren. Zugleich erinnern sie mit den Gebeten an die Opfer.

Ehemalige Geiseln und Überlebende setzen ein Zeichen

Ein besonderes Zeichen der Hoffnung setzte die Teilnahme ehemaliger Hamas-Geiseln und Überlebender des Massakers. Auch verwundete Soldaten und Bewohner der Grenzregion kamen zu den Feiern. Während der Hakafot Sheni tanzten unter anderem die ehemaligen Geiseln Eviatar David und Bar Kuperstein mit der Gemeinde. Beide kehrten aus der Hamas-Geiselhaft zurück. Sie trugen Thora-Rollen und stimmten in traditionelle Gebete wie „Hoschiah et Amcha“ ein. Auch Zvika Mor, dessen Sohn Eitan die Geiselhaft der Hamas überlebte, betonte die Bedeutung des Moments: „Wo man uns auslöschen wollte, vermehren wir das Leben.“ Damit zeigte sich am Nova-Gelände der tiefe Konflikt um diesen Ort. Auf der einen Seite stehen die unermessliche Trauer und Wut der Familien. Auf der anderen Seite steht der Wille vieler Überlebender und Israelis, trotz des Terrors weiterzuleben.

Zwischen Tränen, Gebet und Tanz wurde deutlich, wie schwer die Erinnerung an diesem Ort wiegt. Zugleich zeigte sich, wie entschlossen viele sind, dem Terror nicht das letzte Wort zu überlassen.

Titelbild: Menschen besuchen die Gedenkstätte des Nova-Musikfestivals nahe Kibbuz Re’im im Süden Israels, wo am 7. Oktober 2023 Hunderte Menschen von Hamas-Terroristen ermordet wurden (Aufnahme vom 4. Oktober 2026). Foto: Chaim Goldberg/Flash90

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